Fingerabdruckanalyse erkennt auch Drogen und Sprengstoff

Ein neues Massenspektrometrie-Verfahren hält visuelle wie chemische Spuren am Tatort fest - in einem Rutsch.

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Forscher an der Purdue University haben eine neue Methode zur Untersuchung von Fingerabdrücken entwickelt, die neben traditionellen Strukturbildern zusätzlich genaue Einblicke in die chemische Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten geben kann, die möglicherweise in ihnen stecken. Statt Proben zurück ins Labor bringen zu müssen, könnten Ermittler die Technik, eine Form der Massenspektrometrie, auch direkt am Tatort anwenden. So lassen sich beispielsweise Spuren von Drogen oder Explosivstoffen direkt aus den Fingerabdrücken sichtbar machen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Die wichtigen Täterspuren werden normalerweise mit Hilfe von Chemikalien sichtbar gemacht, die die Ermittler an Oberflächen aufbringen, die am Tatort angefasst wurden. Diese Methode kann enthaltene Spuren anderer Stoffe allerdings zerstören. Ermittler überlegten deshalb schon lange, neue Methoden anzuwenden, sagt John Morgan, stellvertretender Wissenschafts- und Technologiedirektor am National Institute of Justice, dem Forschungsarm des US-Justizministeriums. "Die Massenspektrometrie könnte deshalb ein nützliches Werkzeug sein, Fingerabdrücke nichtdestruktiv von diversen Oberflächen zu nehmen."

R. Graham Cooks, Professor für analytische Chemie an der Purdue University, setzt nun eine neuartige Technik zur Probenentnahme ein, die beides kann: Sie bildet Fingerabdrücke räumlich ab, ermittelt aber auch ihre chemische Zusammensetzung. Die Technik wurde ursprünglich 2004 entwickelt und kann in Verbindung mit jedem kommerziellen Massenspektrometer verwendet werden. Beim Einsaugen und Scannen der Spuren in dem Gerät werden zusätzlich Tausende Werte über die Anordnung der enthaltenen Moleküle gesammelt, die sich zu Bildpunkten zusammensetzen lassen. Die Massenspektrometrie-Methode kann so Bilder der charakteristischen Merkmale eines Fingerabdrucks darstellen, die gleichzeitig eine Karte der chemischen Zusammensetzung enthalten. In Cooks' jüngster Studie, die in "Science" veröffentlicht wurde, zeigt der Purdue-Forscher, wie sich auf diese Art saubere Fingerabdrücke von Personen erstellen lassen, die ihre Finger zuvor in Kokain, den Sprengstoff RDX, Tinte sowie zwei Marihuana-Bestanteile getaucht hatten – samt chemischer Zusammensetzung. Noch ist die Methode allerdings nicht gerichtsfest.

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(bsc)