Unsichtbare Nanonaht für die Chirurgie

Forscher kombinieren Laserstrahlen mit einem Farbstoff, um Wunden rückstandslos zu schließen.

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Trotz aller Fortschritte in der Medizin der letzten hundert Jahre: Chirurgen hinterlassen nach getaner Arbeit noch immer sichtbare Wunden – nur mit viel Aufwand sind sie vermeidbar. Am Wellman-Zentrum für Fotomedizin des Massachusetts General Hospital soll sich das nun ändern. Die Forscher Irene Kochevar und Robert Redmond haben dort eine Methode entwickelt, die Nadel und Faden ersetzen soll. Mit Hilfe chirurgischer Laser und einem lichtaktivierten Farbstoff regen die Wissenschaftler Gewebe zur Selbstheilung an, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Ergebnis ist eine fast nicht mehr sichtbare Wunde.

Obwohl die Vorstellung, dass sich Haut einfach wieder zusammenlasern lässt, eher an Superheldengeschichten erinnert, sind die dahinterliegenden Phänomene doch erstaunlich einfach. Das Forscherteam am Wellman-Zentrum nutzt die Tatsache aus, dass eine Anzahl von Farbstoffen durch die Präsenz von Licht aktiviert werden kann. Im Fall von Bengalrosa, das bislang in der Medizin unter anderem zur Erkennung von Hornhautwunden verwendet wird, scheint starke Bestrahlung einen Elektronentransfer zwischen Farbstoffmolekülen und der wichtigen Gewebekomponente Collagen zu befördern. Dadurch werden hochreaktive freie Radikale gebildet, die die Molekülketten des Collagens dazu anregen, sich chemisch aneinander zu binden – es entsteht eine Quervernetzung. Bringt man auf zwei Seiten einer Wunde Bengalrosa auf und beleuchtet es dann mit einem grünen Laser, "verknoten" sich beide Seiten wieder. "Wir nennen dies eine Nanonaht", sagt Kochevar. Dabei würden die kleinen Kollagenfasern miteinander intern wieder verbunden.

Die Vorteile der Nanonaht sind vielfältig. In fast jedem Fall beschleunigt sie die Operation und sorgt für weniger Narbengewebe und vermutlich auch ein geringeres Infektionsrisiko. Die Öffnung wird vollständig versiegelt, es existieren keine Lücken, durch die Bakterien eindringen könnten. Das macht die Technik nicht nur für oberflächliche Hauteinschnitte nützlich, sondern auch für den Einsatz bei Augen- und Nervenoperationen. Nach erfolgreichen Tierversuchen wollen Kochevar und Redmond dies demnächst in klinischen Tests am Menschen erproben.

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(bsc)