Athen intensiviert Ermittlungen in Siemens-Schmiergeldaffäre

Nach Schätzungen in der griechischen Presse könnten die an griechische Politiker gezahlten Schmiergelder das Volumen von 100 Millionen Euro erreichen.

vorlesen Druckansicht 6 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • JĂĽrgen Kuri

Im Siemens-Schmiergeldskandal intensiviert die griechische Justiz die Ermittlungen. Zwei ehemaligen ranghohen Siemens-Mitarbeitern griechischer Staatsbürgerschaft wurde am Montag eine Frist bis jeweils 5. und 6. Mai gegeben, vor dem Staatsanwelt von Athen auszusagen. Die Staatsanwaltschaft suche nach einem dritten Mitarbeiter, dessen Adresse nicht bekannt sei, berichtete das staatliche Fernsehen weiter. Griechische Staatsanwälte seien in den vergangenen Wochen ausführlich von ihren Kollegen in Deutschland über die dort laufenden Ermittlungen informiert worden, hieß es laut dpa.

Der Siemens-Konzern hatte sich Ende 2007 von seinem Landes-Chef in Griechenland getrennt. Nach Schätzungen in der griechischen Presse könnten die an griechische Politiker gezahlten Schmiergelder das Volumen von 100 Millionen Euro erreichen. Dabei soll es um die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes in den 90er-Jahren, um den Auftrag für das Überwachungssystem (C4I) für die Olympischen Spiele 2004 und Kommunikationssysteme für das griechische Heer gegangen sein.

Im Zuge der Aufdeckung der Siemens-Korruptionsaffäre kam heraus, dass in den vergangenen Jahren rund 1,3 Milliarden Euro über ein System schwarzer Kassen in dunklen Kanälen verschwanden und für Bestechungen zur Erzielung von Aufträgen verwendet wurden. Anfangs war nur von dubiosen Zahlungen bei COM die Rede gewesen. Hier hatte der Konzern fragwürdige Zahlungen in Höhe von 449 Millionen Euro identifiziert. Als Konsequenz akzeptierte der Konzern im Oktober ein Bußgeld in Höhe von 201 Millionen Euro. Später wurden dubiose Zahlungen auch in anderen Bereichen festgestellt, die sich dann auf 1,3 Milliarden Euro summierten. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung ermittelt die Staatsanwaltschaft in Deutschland gegen 270 Beschuldigte. Auch Heinrich von Pierer ist möglicherweise tiefer in den Skandal verwickelt als bislang bekannt, der ehemalige Siemens-Chef weist aber Vorwürfe zurück, selbst für ein Argentinien-Geschäft fragwürdige Provisionszahlungen angeordnet zu haben. (jk)