Arterien aus dem Reagenzglas
US-Forscher arbeiten an künstlichen Blutgefäßen, die Bypass-Patienten eingesetzt werden könnten.
Wissenschaftler an der Yale University haben künstliche Blutgefäße entwickelt, die Bypass-Patienten eingesetzt werden könnten und im Gegensatz zu früheren Entwicklungen Langlebigkeit und Abstoßresistenz versprechen. Normalerweise werden bei Bypässen Venen aus einem Bein des Patienten entnommen, mit deren Hilfe das Blut dann um blockierte Arterien herumgeleitet werden kann, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Doch nicht immer lassen sich passende Gefäße finden – die notwendige Operation gilt besonders bei beleibteren Patienten zudem als sehr unangenehm.
Laura Niklason, die das Yale-Projekt als Forschungsleiterin anführte und als Anästhesistin und Ingenieurin für Biomedizin arbeitet, will dieses Problem nun lösen. Sie entwickelte zusammen mit ihrem Team künstliche Blutgefäße, bei denen menschliche Spenderzellen als Ausgangsbasis verwendet werden, um eine Kollagenmatrix aufzubauen. Das Endprodukt enthält jedoch keine menschlichen Zellen mehr, so dass es beim Implantat auch nicht zu einer Immunantwort kommt. Stattdessen wächst Gewebe des Patienten in die künstlichen Blutgefäße hinein.
Synthetische Materialien wie Teflon oder Dacron werden zwar bereits bei Bypässen verwendet, doch sie sind nur bei großen Gefäßen wie der Aorta hilfreich. Für engere Adern wie Herzarterien sind sie nicht zu gebrauchen, weil deren kleiner Durchmesser leicht Blutgerinnsel verursacht. Niklasons künstliche Gefäße sind dafür nach bisherigen Erkenntnissen nicht anfällig, weil sie die natürlichen Adern nachbilden.
Noch wurde die Technik allerdings nur im Tierversuch getestet – an Hunden wurden zwei Herzgefäße ersetzt, drei Arterienkorrekturen vorgenommen und vier Halsschlagader-Bypässe operiert. Der größte Teil der Eingriffe verlief erfolgreich, die Tiere blieben danach für einen längeren Zeitraum gesund. Derzeit arbeitet Niklason daran, eine Zulassung für klinische Studien am Menschen zu erhalten. Geplant ist dies in den nächsten zwei Jahren.
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(bsc)