China will Mond-Daten dem Volk zugänglich machen
Weil das Geld fĂĽr die Chang'e-1-Mission vom Steuerzahler stamme, mĂĽssten die gewonnenen Daten der Allgemeinheit zur VerfĂĽgung gestellt werden, verspricht der wissenschaftliche Leiter des chinesischen Mond-Forschungsprogramms, Ouyang Ziyuan.
- Peter-Michael Ziegler
Die von der chinesischen Raumsonde Chang'e-1 in den kommenden Monaten zur Erde gefunkten Daten sollen allen Wissenschaftlern und auch interessierten Privat-Astronomen im Land zur Verfügung gestellt werden, das verspricht zumindest der wissenschaftliche Leiter des chinesischen Mondforschungsprogramms, Ouyang Ziyuan. "Das für die Chang'e-1-Mission benötigte Geld stammt von den Steuerzahlern, deshalb sollten auch die Daten der Allgemeinheit zugänglich sein", verdeutlicht Ouyang. Ohne staatliche Genehmigung geht in China allerdings nichts: Wer Chang'e-1-Aufnahmen vom Mond oder Ergebnisse von Gesteinsanalysen nutzen will, muss Ouyangs Angaben zufolge Anträge bei den Behörden stellen und "bestimmte Verfahrenswege einhalten".
Ouyang, Mitglied der Chinese Academy of Sciences (CAS), nahm auch zu Gerüchten Stellung, wonach die vor einer Woche präsentierten ersten Mond-Aufnahmen Kopien früherer Fotos der Amerikaner gewesen sein könnten. "Die Bilder zeigen dieselbe Region, die zuvor auch von den Vereinigten Staaten fotografiert wurde" erklärt der Experte für extraterrestrische Materialien. "Daher ist es kein Wunder, dass sich die Aufnahmen ähneln. Wer jedoch genauer hinschaut, wird die Unterschiede erkennen." Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao persönlich hatte das aus insgesamt 16 Einzelaufnahmen zusammengesetzte Bild am vergangenen Montag der Öffentlichkeit präsentiert. Es zeigt ein Gebiet im Bereich 70 bis 54 Grad südliche Breite und 83 bis 57 Grad östliche Länge, das aus einer Höhe von rund 200 Kilometern aufgenommen wurde.
Die Mondsonde Chang'e-1 war Ende Oktober an Bord einer Trägerrakete vom Typ Chang Zheng 3A (Langer Marsch) ins All gestartet. Der nach einer chinesischen Göttin benannte Orbiter soll ein Jahr lang die Oberfläche dreidimensional kartografieren und spektrometrische Gesteinsanalysen durchführen. Chang'e-1 ist der erste Teil des ambitionierten Mond-Programms Chinas. Bis zum Jahr 2015 soll ein Landemodul mit Roboterfahrzeug auf dem Mond abgesetzt werden. Fünf Jahre später soll dann ein weiteres Modul folgen, das in der Lage ist, den Mond auch wieder zu verlassen und eingesammelte Gesteinsproben zur Erde zurückzubringen. Im kommenden Jahr will China die Raumkapsel "Shenzhou VII" ins All schicken. Im Rahmen dieser Mission ist unter anderem ein Weltraumspaziergang eines chinesischen Taikonauten geplant. (pmz)