Neue Agentur soll erneuerbare Energien international voranbringen

Am heutigen Montag wollen rund 50 Staaten in Bonn den Grundstein für die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) legen. Die Organisation soll weltweit den massiven Ausbau von regenerativen Energiequellen fördern.

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Zur Bekämpfung der globalen Erwärmung wollen zahlreiche Staaten bis zum Jahr 2020 bis zu 30 Prozent ihres Energiebedarfs aus regenerativen Quellen decken. Um dieses Ziel leichter zu erreichen, soll am heutigen Montag in Bonn der Gründungsvertrag für die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien, Irena, unterzeichnet werden. Die Initiative, die maßgeblich von Deutschland, Spanien und Dänemark vorangetrieben wurde, soll allen Mitgliedstaaten helfen, die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien besser zu nutzen. Von einer Beratung der Regierungen über verstärkten Informationsaustausch bis zum Technologietransfer soll mit Irena die Lücke zwischen dem großen Potenzial der erneuerbaren Energien und dem relativ geringen Marktanteil so schnell wie möglich geschlossen werden.

Die Initiatoren erwarten, dass bis zu 50 Staaten den Gründungsvertrag unterschreiben werden. Insgesamt werden Vertreter aus mehr als 100 Staaten erwartet. "Das ist der Club für die Zukunft", sagte vergangene Woche Matthias Machnig, Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, auf dem World Future Energy Summit in Abu Dhabi. Mitte 2009 sollen der Sitz der Agentur festgelegt, der Generaldirektor für die Startphase bestimmt und die Organisation sukzessive aufgebaut werden. Im Unterschied zu der Internationalen Energieagentur IEA steht Irena nicht nur den Industriestaaten, sondern auch allen Entwicklungs- und Schwellenländern offen. Die Initiatoren hoffen so vor dem Hintergund einer wachsenden Weltbevölkerung, eine Entkopplung von Wirtschaftsaufschwung und der Entstehung von Klimagasen zu erreichen.

Die IEA befasse sich zudem vor allem mit der Entwicklung der fossilen und nuklearen Energiequellen, ergänzt der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer (SPD). Scheer, Präsident von Eurosolar und Vorsitzender des Weltrats für erneuerbare Energien (WCRE) setzt sich seit Anfang der 90er-Jahre für die Gründung einer Internationalen Agentur für erneuerbare Energien ein: "Irena wird ein internationales Gegengewicht zur Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) und zur Internationalen Energieagentur (IEA) schaffen." Langjährige Versuche, die Förderung der erneuerbaren Energien innerhalb einer für alle Staaten offenen UN-Sektion anzusiedeln, seien laut Scheer nicht erfolgreich gewesen. Daher habe man sich auf die Gründung der neuen Agentur verständigt, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Selbst das reichlich mit Erdöl gesegnete Emirat Abu Dhabi wird zu den Unterzeichnern des Irena-Gründungsvertrages zählen. Neben der Windkraft setzt der Golfstaat vor allem auf den Ausbau von Solarthermie-Kraftwerken und Photovoltaik-Anlagen, um bis zum Jahr 2020 immerhin sieben Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Damit gilt Abu Dhabi als ein Vorreiter für erneuerbare Energien im Club der Ölstaaten. "Gerne würden wir auch den Sitz von Irena in Abu Dhabi haben", sagt Sultan Ahmed al-Jaber, Direktor des Staatsfonds Masdar. Wie dafür die Chancen des Emirats allerdings gegen die Irena-Initiatoren Deutschland, Spanien und Dänemark stehen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. (Jan Oliver Löfken) / (wst)