Peer-to-Peer-Konzept soll Internet in den Entwicklungsländern beschleunigen
Pakistanische Forscher setzen auf verteilte Downloads von Websites und Multimediadateien, um stark frequentierte internationale Leitungen zu entlasten.
Die Netznutzung nimmt auch in den Entwicklungsländern kontinuierlich zu. Das Problem: Die dort häufig nur eingeschränkt vorhandene Infrastruktur nervt die Nutzer mit oft quälend langsamen Verbindungsgeschwindigkeiten. Ein großer Flaschenhals ist oft die internationale Außenanbindung: Zu viel Datenverkehr zwängt sich durch zu wenige Leitungen. Computerwissenschaftler in Pakistan haben nun ein System entwickelt, das die Downloads in der zweiten und dritten Welt beschleunigen soll, in dem sich die Nutzer ihre Bandbreite untereinander teilen. Die dabei verwendete Software lädt populäre Web-Angebote und Mediendateien einmal herunter und verteilt sie dann unter den Usern, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Es ist eine Art Internet-Zwischenspeicher auf Graswurzelebene.
Solche gut funktionierenden Cache-Mechanismen, die in den Industrieländern bis zu 40 Prozent der Bandbreite einsparen, existieren bei vielen Providern in den Entwicklungsländern nicht. "In Pakistan verlässt fast der gesamte Traffic das Land", sagt Umar Saif, Computerwissenschaftler an der Lahore University of Management Sciences (LUMS). Das sei sogar regelmäßig der Fall, wenn ein Nutzer aus Pakistan pakistanische Angebote abrufe. "Die Pakete werden manchmal nach New York geleitet und müssen dann ihren Weg wieder zurück in unser Land finden."
Saifs Team an der LUMS hat deshalb eine Software namens "DonateBandwith" entwickelt, ein System, das von Peer-to-Peer-Dateitauschangeboten wie BitTorrent inspiriert wurde. Wenn ein Nutzer eine Seite abruft oder ein Video herunterladen möchte, prüft die Software zunächst, ob die gewünschten Dateien nicht bereits im Peer-to-Peer-Cache liegen. Falls das der Fall ist, werden einzelne Teile von anderen DonateBandwith-Nutzern bezogen, der Rest kommt aus dem regulären Internet. Wer über eine gute Außenanbindung verfügt, kann so anderen Nutzern Bandbreite "spenden" – nichts anderes heißt "DonateBandwith" auch. Noch ist die Software allerdings erst im Prototypen-Stadium vorhanden. Derzeit arbeiten die Forscher an der Optimierung der Caching-Infrastruktur.
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(bsc)