Silicon Valley trifft nordische Cleantech-Unternehmer

Auf der ersten "Nordic Green"-Konferenz in Kalifornien stellten sich "grüne" Start-ups aus Skandinavien zahlungskräftigen US-Risikokapitalisten vor.

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Europa mag den USA bei der sauberen Energietechnik um Jahre voraus sein, aber Wagniskapitalfirmen in Kalifornien bauen gerade erst ihre internationalen Anstrengungen aus, um Grundlagenforschung und Kommerzialisierung der grünen Technologie massiv voranzutreiben. Die vollen Kriegskassen in Silicon Valley üben auf europäische Länder eine erhebliche Anziehungskraft aus, auch wenn beide Seiten noch nicht genau wissen, wie sie am besten zusammenkommen sollen. Gezielte Annäherungsversuche ließen sich auf der ersten "Nordic Green"-Konferenz in dieser Woche an der legendären Forschungseinrichtung SRI International in Menlo Park beobachten, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Eingeladen hatte zur zweitägigen Veranstaltung an der Stanford Research Institution das AlwaysOn-Netzwerk des Tech-Verlegers Tony Perkins in Zusammenarbeit dem dänischen Innovation Center. Unter den rund 300 Teilnehmern waren auch Unternehmer, Wirtschaftsförderungsexperten und Wissenschaftler aus Schweden, Norwegen, Finnland und Estland. Rund zwei Dutzend nordische Firmen präsentierten Forschern und Geldgebern aus dem Silicon Valley ihre Technologien, die von Brennstoffzellen und Biomasse-Kraftwerken bis zur Wasseraufbereitung reichten. Darunter waren etablierte Energieunternehmen wie die norwegische Statoil Hydro und die dänische Firma Dong Energy, die in ganz Europa fossile Energieträger abbauen und zugleich Windfarmen und andere erneuerbare Projekten unterhalten.

Skandinavien kann sich rühmen, je nach Land bereits heute zwischen 17 und 40 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu speisen. Der grüne Anteil soll bis 2020 auf 30 bis 49 Prozent steigen, erklärte Birte Joergensen, Direktorin für Energieforschung beim Regierungsbündnis Norden. "Wir können von Europa jede Menge lernen, vor allem was das politische Rahmenwerk und die flächendeckende Verbreitung von sauberen Technologien angeht", sagte Andrew Chung von Lightspeed Venture Partners gegenüber Technology Review. Seine Firma setzte vor zwei Jahren einen Cleantech-Fond auf und hat bislang in sieben Start-ups investiert, darunter LS9, das an Biotreibstoffen der nächsten Generation arbeitet.

Allgemein waren die auf der "Nordic Green" anwesenden Risikokapitalisten der Meinung, dass die Cleantech-Industrie in den USA noch in den Kinderschuhen steckt. Im Unterschied zum IT-Bereich bilden sich neue Standards und Protokolle erst heraus, gab Chung zu bedenken. In der Zwischenzeit arbeiten einzelne Startups an unterschiedlichen Teilen der Wertschöpfungskette – von neuen Batterien bis zu Enzymen für eine effizientere Herstellung von Biotreibstoffen. "Das sind die neuen APIs im Cleantech-Bereich", sagte Chung in Anlehnung an Programmschnittstellen für Software-Entwickler. "Aber im Unterschied zu IT wird es hier Platz für mehr als nur die ersten drei Anbieter geben."

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(bsc)