Stammzellprodukte in Serie

Das kalifornische Start-up BioTime will Zelllinien für die Wissenschaft standardisieren und kommerziell vermarkten, die sich in unterschiedliche Gewebearten ausdifferenzieren.

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Michael West, ein prominenter amerikanischer Wissenschaftler und Unternehmer im Bereich der Stammzellforschung, will mit seiner kalifornischen Biotechnologiefirma BioTime künftig zum verlässlichen Lieferanten von Stammzellprodukten für die Forschung werden. Die daraus gewonnenen Zellen gelten als enorm vielversprechend in der Medizin – sei es nun als potenzielle "Ersatzteillager" für geschädigte Organe oder als Versuchsobjekt zur genauen Untersuchung von Krankheitsabläufen und zum Testen neuer Medikationen. BioTime will nun Zelllinien verkaufen, die West "menschliche embryonale Vorläufer" nennt. Das sind Zellen, die einen Teil des Weges von der Embryonalzelle zur ausdifferenzierten (adulten) Variante bereits zurückgelegt haben. West und sein Team publizierten dazu eine Studie, die ihre Anstrengungen, Zellen zu generieren, die stets den gleichen Zelltypnachwuchs produzieren, beschreibt. So soll sich ein besser definiertes Endprodukt ergeben, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

"Das ist ein interessantes Geschäftsmodell", meint Evan Snyder, Direktor des Stammzellforschungszentrums am Burnham Institute in La Jolla. "Ich sehe hier eine solide Kundengruppe in der Wissenschaft. Besonders Forscher, die Stammzellen nur als eine Methode sehen, viele Zellen für ihre Zwecke zu erhalten." Arbeite jemand beispielsweise an einem neuen Medikament gegen Parkinson, sei es ideal, wenn eine große Anzahl von Dopamin-Neuronen vorliegen – der Zelltyp, den die Krankheit besonders angreift. In ihrer Studie zeigen West und seine Kollegen, wie sie embryonale Stammzellen unter verschiedenen Bedingungen heranzüchteten und dann Stammzelllinien isolierten, die sich nur in Form von Klonen vermehrten. Über molekulare Marker ließen sich mehr als 140 einzigartige Zelllinien identifizieren.

BioTime bereitet sich bereits auf die kommerzielle Herstellung vor. Die ersten Zellen will man in 6 bis 12 Monaten ausliefern können. Es muss jedoch noch viel Arbeit geleistet werden, um die Eigenschaften des Endprodukts besser zu beschreiben. Es ist unklar, wie sehr das geplante Zellprodukt den üblichen Vorläuferzellen im Körper ähnelt, die sich normal weiterentwickeln. Folgestudien müssen durchgeführt werden, die das volle Ausdifferenzierungspotenzial zu dem Zelltyp bestimmen, in den sich das Standardprodukt schließlich entwickeln soll.

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(bsc)