Bildgebendes Verfahren liest Gedächtnisinhalt aus

US-Forscher nutzen die funktionelle Magnetresonanztomographie zusammen mit einer neuartigen Software, um zu ermitteln, an was eine Versuchsperson gerade denkt.

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Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) wird mehr und mehr zur Möglichkeit, einen Blick auf die Gedächtnisvorgänge des Menschen zu werfen. Forscher der Vanderbilt University haben nun in einer Studie gezeigt, wie sie allein aus diesen hochauflösenden Aufnahmen des Gehirns unterscheiden können, welches von zwei Bildern eine Versuchsperson gerade vor ihrem geistigen Auge hat – und zwar auch einige Sekunden, nachdem es aus dem Blickfeld entfernt wurde. Die Wissenschaftler konnten außerdem erstmals genauer festlegen, wo sich der "visuelle Arbeitsspeicher" des Gehirns zu befinden scheint, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Bei der Untersuchung wurden den Testpersonen zwei aufeinanderfolgende Bilder eines Gitters gezeigt, wobei jede Aufnahme in einem anderen Winkel ausgerichtet war. Dann wurde ihnen gesagt, welche von beiden sie sich merken sollten. Um sicherzustellen, dass das Bild auch wirklich im Gedächtnis abgelegt war, wurde den Versuchsteilnehmern einige Sekunden später ein drittes Gitter gezeigt und sie dann gebeten, zu beschreiben, wie es im Vergleich zu dem gemerkten Bild ausgerichtet war. Der ganze Prozess wurde mit Hilfe einer fMRT-Anlage beobachtet, die auf die Aktivität in vier verschiedenen als Bildverarbeitungsbereiche des Gehirns bekannten Segmenten des Denkapparats ausgerichtet war.

Durch die Analyse der Gehirnaktivitäten während der elfsekündigen Erinnerungsperiode war es den Forschern möglich, mit mehr als 80 Prozent Genauigkeit zu bestimmen, welche Gitterausrichtung die Testperson gerade im Kopf hatte. Dazu wurde ein fortschrittliches Analysewerkzeug verwendet, das fMRT-Bilder in bislang ungekannten Detailabstufungen auswerten kann.

Angst vor einem Big Brother, der unser Gedächtnis auslesen kann, braucht allerdings niemand zu haben. Praktische Anwendungen hat die Technik noch kaum, sagt Frank Tong, Dozent für Psychologie, der an der Studie gearbeitet hat. Die Möglichkeit, aus den Daten eine komplexe Erinnerung zu rekonstruieren, die sich jemand gerade vorstellt, liegt noch weit in der Zukunft. "Wir unterscheiden derzeit einfach nur zwischen 0 und 1. Sobald man die Anzahl der Möglichkeiten erhöht, wird das Auslesen immer schwerer."

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(bsc)