Kann man der Telekom trauen?

Die Pläne der Telekom für ein nationales Internet, auf das die NSA keinen Zugriff hat, treffen auf weit verbreitetes Misstrauen. Zu Recht?

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Die Pläne der Telekom für ein nationales Internet, auf das die NSA keinen Zugriff hat, treffen auf weit verbreitetes Misstrauen. Zu Recht?

Zugegeben, ein Jahresgehalt von 3,9 Millionen Euro ist nicht schlecht. Aber im Moment möchte ich nicht tauschen mit René Obermann, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom. Erst die Pleite vor Gericht mit den Internet-Anschlüssen, deren Geschwindigkeit die Telekom nun doch nicht drosseln darf, auch wenn der Kunde Daten saugt, bis die Drähte glühen. Bloß weil in dem Angebot das Wörtchen „Flatrate“ drinsteht. War doch ganz klar im Kleingedruckten erläutert, wie die Vertragsbedingungen sind.

Na ja, und jetzt kriegt das Unternehmen mit dem NSA- und GCHQ-Abhörskandal eine historische Chance, sich zu rehabilitieren, nutzt sie auch - und kriegt wieder nur Gemecker.

Wie das? Nun, die Telekom will ein so genanntes "Schengen-Routing" einführen. Dabei soll der Datenverkehr für Ziele innerhalb Europas nicht mehr über dritte Länder geleitet werden. Dem soll auch eine "Schengen-Cloud" zur Seite stehen, sodass europäische Daten auch in Europa bleiben, und damit dem hiesigen Datenschutzrecht zu unterstehen. Statt in Rechenzentren von US-Anbietern der NSA quasi auf dem Silbertablett serviert zu werden.

Klingt erstmal gut. Aber die Kritiker verweisen unter anderem darauf, dass ein regionales Internet mit festen Wegen für die Daten den inländischen Überwachern (und Kriminellen) das Leben ja nicht schwerer, sondern eher leichter machen würde. Und sie kritisieren, dass die Telekom mit einer solchen Netzstruktur ihre Mitbewerber ziemlich strikt unter Kontrolle hätte.

Hinter der - zum Teil durchaus berechtigten - Kritik steht jedoch eine irrationale Angst: die Angst vor der Wiederkehr des mächtigen staatlichen Monopolisten, der die Kommunikations-Infrastruktur in seinen eisernen Klauen hält.

Dabei haben eben gerade nicht staatliche Unternehmen die Sicherheit und Integrität des Internets aufgeweicht. Es sind die Googles, Facebooks Netflixe und Twitter, die vielen „kleinen Brüder“ der Internet-Welt, die all die Daten sammeln, die die NSA dann nur noch abzufischen braucht, um ihre Analysen drüber laufen zu lassen.

Wir werfen Unternehmen wie Google unsere gesamte elektronische Post in den Rachen, weil wir diesen Service ja fĂĽr lau bekommen. DafĂĽr haben wir Google erlaubt, alles zu speichern und zu analysieren, um uns besser mit zielgerichteter Werbung zu versorgen.

An solch einem Geschäftsmodell hätte ein staatlicher Email-Dienst nicht (unbedingt) Interesse (mal abgesehen von den Schlapphüten). Und eine öffentlich rechtliche Suchmaschine müsste auch keine Suchanfragen speichern. Wenn der Zugang zum Internet tatsächlich so was ähnliches ist, wie die Straßen und Schienen des 21. Jahrhunderts, wird es höchste Zeit darüber nachzudenken, ob diese Zugangsmöglichkeiten eine öffentliche Aufgabe sind.

(wst)