Microsoft Deutschland soll gegen Arbeitsrecht verstoßen
Mitarbeiter arbeiten angeblich 50 bis 60 Stunden wöchentlich, ohne dass sie die Überstunden abfeiern können oder ausgezahlt bekommen.
Das Bekenntnis von Microsoft Deutschland zur Heimarbeit hat möglicherweise seine Schattenseite. Das Unternehmen verstoße seit Jahren massiv gegen Arbeitsrecht, zitiert Spiegel online einen Mitarbeiter. Bisher werde die Arbeitszeit nicht systematisch erfasst, viele Beschäftigte arbeiteten wegen ehrgeiziger Zielvorgaben wöchentlich 50 bis 60 Stunden. Die Überstunden würden ihn aber weder ausgezahlt noch könnten sie sie abfeiern.
Der Bad Homburger Betriebsrat habe deshalb dieses Jahr einen Entwurf für eine Arbeitszeitregelung vorgelegt. Doch statt sich mit den Arbeitnehmervertretern zu einigen, habe die Geschäftsleitung im Juli bekannt gegeben, den Standort zu schließen.
(Bild: Bing Maps)
Microsoft hatte im August verkündet, dass sich die 2700 Mitarbeiter in Deutschland künftig individuell entscheiden können, wo sie arbeiten. Zudem wolle sich das Unternehmen auf drei Hauptstandorte in München, Köln und die neue Präsenz in Berlin konzentrieren. Die Standorte in Böblingen, Bad Homburg und Hamburg sollen aufgelöst werden. Dabei hatte Microsoft beteuert, dass keine Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, vielmehr sollen die Ressourcen besser genutzt werden.
Microsoft-Sprecher Thomas Mickeleit betonte laut dem Bericht, bei den Standortschließungen handele es sich um eine strategische Entscheidung. Es sollten nicht Kosten gespart, vielmehr den Mitarbeitern flexiblere Arbeitszeiten ermöglicht werden. Mickeleit habe auch den Vorwurf zurückgewiesen, Betriebsräte wegen des Überstundenstreits loswerden zu wollen.
Für Kritik sorgt laut Spiegel online auch, dass Microsoft auch künftig Büroräume für Treffen mit Kunden anmieten wolle, allerdings nie mit mehr als vier Mitarbeitern. Ab fünf Beschäftigten könne das Team nämlich einen lokalen Betriebsrat gründen. Microsoft entgegnete demnach, die Verhandlungen liefen noch.
In Befragungen unter Absolventen landet Microsoft in der Liste der beliebten Arbeitgeber regelmäßig auf den vorderen Rängen. In einer im Mai veröffentlichten Studie waren dabei unter anderem die Aussicht auf flexible Arbeitszeiten mit entscheidend für die Bewertung. (anw)