Open-Access-Aktivist hofft auf freieres Verlagswesen

Der Biophysiker Daniel Mietchen kritisiert die Wissenschaftsverlage und fordert, Studien frei zugänglich zu machen.

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Der Biophysiker Daniel Mietchen, Träger des ASAP-Preises der Public Library of Science (PloS), hat im Interview mit Technology Review (aktuelle Ausgabe 12/13 seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar) mehr Offenheit im wissenschaftlichen Verlagswesen gefordert. Das bedeute mehr Open Access. Autoren müssten derzeit die meisten ihrer Rechte an der eigenen Veröffentlichung abgeben und könnten sie selbst nicht anderweitig verwerten. "Eine Abbildung daraus in einen Wikipedia-Artikel einzubauen geht somit nicht." Die Bibliotheken zahlten derzeit sehr viel Geld für Abonnments. "Zudem können die Bibliotheken die Zeitschriften oft nicht einzeln bestellen, sondern nur im Paket mit anderen, die sie vielleicht gar nicht haben wollen."

Zur Kritik an der Qualität der Open-Access-Publikationen sagte Mietchen, die Zeitschriften bemühten sich, das Peer-Review-Verfahren genauso durchzuführen wie gewohnt. Sie erlaubten zudem Publikationen von Studien, für die sich die großen Journale wie "Nature" oder "Science" nicht interessierten. "Ihnen fehlt der Platz für Details. Oft ist es ihnen zudem wichtiger, dass ein Forschungsergebnis Schlagzeilen macht." Insgesamt sinke die Qualität mit Open Access nicht. "Wenn Forschung tagesaktuell öffentlich dokumentiert würde, erschwert das nicht nur den Betrug – sondern bringt vor allem die weitaus häufigere ehrliche Wissenschaft schneller voran."

Komme es zu solchen Betrugsfällen, würden sie leichter erkannt. "Erscheint ein fragwürdiger Artikel in einer Abozeitschrift, die keiner liest, bekommt die Welt es auch nicht mit – man muss ja ein Abo haben. Bei Open Access erfährt es über das Web potenziell die ganze Welt, und letztendlich kann sich so jeder selbst ein Bild machen. Das gilt natürlich genauso bei guten Artikeln."

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(bsc)