Technik fĂĽr den Infanteristen der Zukunft
In der Auto-Industrie und in anderen Branchen ist es durchaus üblich, ursprünglich fürs Militär entwickelte Technik einzusetzen. Der umgekehrte Weg wird aber noch nicht häufig beschritten, wurde auf einer Konferenz zur Sicherheitspolitik deutlich.
Die Ausrüstung der Bundeswehr ist dem Einsatz im Ausland noch nicht genügend angepasst. Neuentwicklungen sind teuer und bürokratisch schwierig durchzusetzen. Der "Infanterist der Zukunft" bleibt wohl erst mal in der Zukunft. Der Apparat bewegt sich aber, wenn auch langsam, und es findet ein lebhafter Austausch zwischen militärischen und zivilen Technik-Entwicklungen statt. Das war ein Ergebnis der zweitägigen Handelsblatt-Konferenz über "Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie" in Berlin.
Mehr als 6000 deutsche Soldaten halten sich derzeit im Rahmen von NATO-, EU- und UN-Missionen im Ausland auf. UrsprĂĽnglich war ihre AusrĂĽstung vor allem fĂĽr den so genannten Verteidigungsfall gedacht, also fĂĽr Geographie und Klima Mitteleuropas. Gerade in Afghanistan muss die Bundeswehr nun die Erfahrung machen, dass diese AusrĂĽstung schneller defekt wird als erwartet.
Weil Instandhaltung und Ersatz mehr kosteten als geplant, bleibe weniger Geld übrig für Forschung und Entwicklung neuer Ausrüstung, erklärte Tjark Happach, Hauptabteilungsleiter Rüstung im Bundesministerium der Verteidigung in seinem Vortrag auf der Konferenz. Es gebe zwar durchaus Erfolge bei aktuellen Rüstungsprojekten, vor allem durch eine neue Regelung zur Deckung des einsatzbedingten Sofortbedarfs. Auch ist die deutsche Industrie – immerhin der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt – nach Happachs Ansicht in Europa gut aufgestellt. Dennoch sei es nicht einmal gelungen, für den Infanteristen der Zukunft eine gemeinsame Ausrüstung mit der Schweiz und Österreich zu entwickeln, weil es nicht gelinge, sich länderübergreifend auf einheitliche Forderungen zu verständigen.
Eine Lösung für den Geldmangel in der militärischen Forschung und Entwicklung könnte überraschenderweise das zivile Leben bieten, meint Happach. Anstatt hinter der eierlegenden Wollmilchsau herzujagen, solle man sich auf das konzentrieren, was es bereits gibt und wie es schnell nutzbar gemacht werden kann.
Anders herum, also von der zivilen in die militärische Sphäre, scheint der Weg schon beschritten zu werden, verdeutlichte Gerhard Schempp, Vorsitzender der Geschäftsführung der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, die IT-Systeme vor allem für das Militär entwickelt. Zivile und militärische Technik sei teilweise austauschbar. Inzwischen stammten beispielsweise 40 bis 50 Prozent der Elektronik eines Neuwagens ursprünglich von Waffensystemen. Zu solchen ins Zivile übertragbaren Entwicklungen gehörten etwa Head-Up-Display, Drive by Wire oder Abstandswahrer, die mit Radar oder auch Ultraschall funktionieren.
Dass es für eine Demokratie problematisch sein könnte, wenn sich die Kompetenzen von Staat und Industrie bei Themen wie Sicherheit und Rüstung vermischen, wurde auf der Konferenz nicht thematisiert. Im Gegenteil: Frank Haun, Vorsitzender der Geschäftsführung des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann wünschte sich sogar ein "neues Teamverständnis zwischen Staat und Industrie auf gleicher Augenhöhe".
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(Ulrike HeitmĂĽller) / (anw)