Bargeld? Nicht mit uns

Bei vielen EC-Karten wird ein bewährtes System durch ein schlechteres ersetzt. Wie kann das sein?

vorlesen Druckansicht 3 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Bei vielen EC-Karten wird ein bewährtes System durch ein schlechteres ersetzt. Wie kann das sein?

Haben Sie in letzter Zeit eine neue EC-Karte erhalten und sie schon einmal genau angeschaut? Bei vielen Bankkunden steht dort nun ein V-Pay-Logo statt des gewohnten blau-roten Maestro-Kringels. Das bedeutet: Das Abheben von Bargeld im Ausland wird nun über Visa abgewickelt – und zwar per Chip auf der Karte. Das funktioniert aber nur in Europa und nur mit entsprechend ausgestatteten Lesegeräten. Im Rest der Welt hat der Kunde plötzlich keine Möglichkeit mehr, mit seiner normalen Debit-Karte an Geld zu kommen.

Wie kann es sein, dass ein neues, schlechteres System ein bewährtes verdrängen kann? Die vordergründige Antwort: Der Chip ist sicherer als der betagte Magnetstreifen, und V-Pay lässt nur Zahlungen per Chip zu, Maestro hingegen sowohl per Chip als auch – bei älteren Lesegeräten – per Magnetstreifen. Mit V-Pay müssen die Banken also für weniger Schäden durch gefälschte Karten aufkommen. Würde Maestro ebenfalls auf die Verwendung des Magnetstreifens verzichten, wäre es mit der universellen Akzeptanz wohl nicht mehr so weit her, weil es vermutlich immer noch reichlich Lesegeräte gibt, die mit dem Chip nichts anfangen können.

Doch diese Antwort allein reicht mir nicht aus: Warum hat so ein Gigant wie Visa noch immer keine flächendeckende Akzeptanz für ein Produkt hinbekommen, das immerhin schon seit 2007 auf dem Markt ist? Warum funktioniert es nicht wenigstens mit allen chiptauglichen Lesegeräten weltweit? Und warum hat es MasterCard, der Anbieter von Maestro, nicht vermocht, sein System so weiterzuentwickeln, dass die Banken bei der Stange bleiben? Würden beide großen Gesellschaften konsequent auf den Chip setzen, würden sehr schnell auch sämtliche Akzeptanzstellen auf entsprechende Lesegeräte umstellen. Im Gegenzug könnten Visa und MasterCard ja das durch die gewonnene Sicherheit eingesparte Geld in Form von niedrigeren Gebühren an Händler und Kunden weiterleiten.

Die Konsequenz für die Kunden dürfte sein, im Ausland künftig häufiger zur Kreditkarte greifen zu müssen, um an Bargeld zu kommen. Diese dürfte bei den meisten Leuten von Visa kommen und beim Bargeldabheben exorbitant teuer sein. So verdient Visa gleich zwei Mal: durch sein untaugliches V-Pay-System und durch die wohl künftig verstärkt anfallenden Bargeldgebühren seiner Kreditkarten. Herzlichen Glückwunsch. Aber das eigentlich Ärgerliche daran ist, dass die Banken dieses Spiel mitspielen – zu Lasten ihrer Kunden, ohne jede Gegenleistung. (jlu)