SPS IPC Drives 2013: Alles automatisch

Auf der Industriemesse, die am Dienstag in Nürnberg beginnt, präsentieren sich Automatisierungsspezialisten vom Mittelständler bis zum Großkonzern.

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Auf der Industriemesse, die am Dienstag in Nürnberg beginnt, präsentieren sich Automatisierungsspezialisten vom Mittelständler bis zum Großkonzern.

Heute geht es los: Auf dem Nürnberger Messegelände startet die diesjährige SPS IPC Drives. Rund 1500 nationale und internationale Aussteller aus den Bereichen elektrische Automatisierung und Industrietechnik sind dabei. In diesem Jahr belegt die Messe insgesamt 13 Hallen mit über 110.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Topthema Bildverarbeitung

Zu den Topthemen in diesem Jahr zählt die industrielle Bildverarbeitung. Sie wird an einem großen Gemeinschaftsstand präsentiert, der vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) eingerichtet wurde. In Halle 7A zeigen sich insgesamt 23 Aussteller aus den Bereichen industrielle Kameratechnik, Videoerfassung, Fabrikbeleuchtung und Optik.

Die teilnehmenden Unternehmen wollen beweisen, dass Bildverarbeitung "zum Turbo für den Maschinenbau" werden kann. Tatsächlich werden optische Erkennungsverfahren in der Produktion immer wichtiger - insbesondere, wenn sie dank Routinen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz auch mit erstmals auftretenden Situationen umgehen können.

So zeigt beispielsweise der Kamerahersteller VRmagic neue Software fĂĽr seine "smarte" Kameraplattform. Mit dieser lassen sich unter anderem Muster erkennen, 3D-Messungen vornehmen sowie Testprozeduren durchfĂĽhren. Zudem wird eine quelloffene Programmbibliothek angeboten.

Zu den weiteren vertretenen Unternehmen zählen Asentics, Büchner Lichtsysteme, CTMV, Dream Chip Technologies, Dutch Vision Systems, iiM, Imago Technologies, Krempien+Petersen Qualitäts-Kontrollsysteme, Microscan Red Lion Controls, MVTec Software, Opto, OptoMotive, Optronis, Polytec, Q.Vitec, Rauscher, Silicon Software, SmartRay, Tordivel, Vision+Control und Vision Components.

Die SPS IPC Drives macht mit dem großen Gemeinschaftsstand der "Vision" in Stuttgart Konkurrenz, ihrerseits Weltleitmesse für Bildverarbeitung. Diese wurde kürzlich auf einen Zwei-Jahres-Turnus umgestellt und fällt 2013 daher aus, erst im November 2014 geht es dort weiter. Allerdings sind die Stuttgarter am VDMA-Gemeinschaftsstand vertreten.

Auch außerhalb des Gemeinschaftsstandes zeigen sich Unternehmen aus der industriellen Bildverarbeitung. So zeigt SensoPar seine Farbsensoren mit verbesserter Objekterkennung in Halle 4A. Die Sensoren erkennen alle Farben im sichtbaren Spektrum und sollen die kleinsten Farbunterschiede detektieren können. Die Auflösung liegt bei 1,3 Megapixel, sechs digitale Schaltausgänge werden standardmäßig mitgeliefert.

Siemens mit großer Präsenz

Der deutsche Technikkonzern ist auch auf der diesjährigen SPS IPC Drives nicht zu übersehen. Hauptthema bei Siemens ist die Optimierung der Produktion – "vom bloßen Produzieren hin zum besseren Produzieren", wie es am Hauptstand heißt, der unter dem Motto "Making Things Right" steht.

Zu den interessantesten Neuerungen zählen Aspekte aus der IT. Siemens sieht sich als Vorreiter im Bereich der Industry Software und zeigt, wie es mit dem sogenannten Product Lifecycle Management (PLM) möglich ist, sicherzustellen, dass es bei der Herstellung neuer Produkte nicht zu Überraschungen kommt. Als Kunden kann Siemens unter anderem die NASA nennen, die PLM bei der Herstellung von Curiosity, dem bekannten Mars-Rover, einsetzte. Die PLM-Software diente dabei zum Entwurf und der Simulation des Weltraumgefährts, bevor nur ein Prototyp gebaut wurde.

Im Bereich Data-Driven Services (DDS) will sich Siemens als Big-Data-Spezialist profilieren. Dabei sollen vorhandene Daten eines Anlagen- und Maschinenparks einer Firma besser erfasst und genutzt werden, um die Gesamteffizienz der Systeme zu erhöhen. Dabei werden neue Daten laufend gemessen und ausgewertet. Siemens verkauft hier nicht nur die Software, sondern führt auch gleich mögliche Umbaumaßnahmen durch, sollten die DDS Effizienzlücken aufgedeckt haben.

Auch die Energieeffizienz ist für Siemens ein Thema auf der SPS IPC Drives. Hier präsentiert sich die Beratungssparte Energy and Environmental Services, die Hard- und Softwarelösungen liefert, um Anlagentechnik zu optimieren. Dabei werden zuvor alle laufenden Prozesse erfasst und energierelevant ausgewertet, auch in Verbindung mit DDS. Siemens hat seinen Hauptstand in Halle 2.

Verstellen im Nanobereich

Der Igersheimer Wittenstein AG hat zusammen mit ihrer Tochter Attocube auf der SPS IPC Drives neue Kleinmotoren, Piezoversteller und Antriebsverstärker vorgestellt.

So bietet der Antriebsspezialist seine bürstenlosen Servomotoren, die sich für Verpackung, Lebensmittelverarbeitung und Pharmaherstellung eignen, nun auch komplett versiegelt an. Die Geräte aus der "Cyber Dynamic Line" können auch kurzzeitig unter Wasser getaucht werden, enthalten ein verschweißtes Planetengetriebe und sind nach IP66/67 zertifiziert. Wittenstein stellt sie in Halle 4 aus und empfiehlt die Kleinmotoren für Hygienebereiche.

Die Wittenstein-Tochter Attocube (ebenfalls Halle 4) zeigt auf der Messe unterdessen hochgenaue Piezoversteller. Diese erlauben eine präzise Positionierung im Nanobereich und werden beispielsweise bei der Herstellung von Optiken oder in der Mechanik verwendet. Die Auflösung liegt bei nur einem Nanometer, die Wiederholgenauigkeit bei 50 Nanometern, bei einem Verfahrweg von 100 Millimetern.

Am Attocube-Stand ist außerdem ein spezieller Abstandssensor zu sehen, mit dem Positionsabweichungen gemessen werden können. Winkeländerungen etwa an Werkzeugen oder Vibrationen werden mit bis zu einem Megahertz erfasst. Eine Auswertung des vier Millimeter (Durchmesser) großen Gerätes ist in Echtzeit mit 10 MHz möglich.

Neu bei Wittenstein ist auch ein Antriebsverstärker für Servomotoren der sinuskommutierten Bauart mit bis zu ein Kilowatt, der sich "simco drive" nennt und in direkter Nähe der Antriebe montiert werden kann. Alternativ ist er auch als kompakte Schaltschrankvariante verfügbar. Die Stromregelung soll hochauflösend sein. (bsc)