Solarthermie unnötig teuer

Die Hersteller von Solarkollektoren haben ihre Produktionskosten in den letzten Jahren halbiert. Doch Installateure geben den Preisvorteil nicht an ihre Kunden weiter.

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Mangelnde Transparenz fĂĽhrt dazu, dass Kostensenkungen bei Solarthermie-Anlagen nicht beim Kunden ankommen, berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 12/2013 (am Kiosk oder online zu bestellen).

Mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs dient der Erzeugung von Wärme. Doch während Erneuerbare Energien beim Strom bereits mehr als ein Viertel des Bedarfs decken, stagniert ihr Anteil am Wärmemarkt bei gut zehn Prozent.

Bei der Solarthermie ist der Trend sogar rückläufig: Nach einem Zwischenhoch 2011 sank der Absatz von Solarthermie-Anlagen 2012 wieder um zehn Prozent und damit auf den Stand von 2010. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: In den ersten acht Monaten 2013 ging der Zubau an Sonnenkollektoren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere acht Prozent zurück.

Eine Ursache dafür: Solarthermie-Kollektoren könnten längst viel günstiger sein, wenn Installateure die gesunkenen Herstellungskosten auch an die Kunden weitergäben. Nach Angaben der Europäischen Solarthermie-Technologieplattform ESTTP haben die Kollektorhersteller ihre Produktionskosten zwischen 1995 und 2010 halbiert.

Dennoch stiegen zwischen 2008 und 2010 die Preise für Anlagen mit Flachkollektoren nahezu um ein Viertel. „Das ist ein klarer Hinweis, dass die Handwerker die vorhandenen Kostensenkungspotenziale bei der Installation nicht realisieren“, sagt ESTTP-Vorsitzender Gerhard Stryi-Hipp.

Allerdings können Installateure hohe Preise nur deshalb ungehindert durchsetzen, weil es an Transparenz fehlt. „Es gibt keine Vorgaben, nach denen die Hersteller die Leistung ihrer Anlagen beziffern müssen“, erklärt Stryi-Hipp. „Das heißt, Kunden können nicht beurteilen, welche Anlage am günstigsten ist.“

Die ESTTP fordert daher klare Orientierungswerte für die Solarthermie. Ihr Vorschlag: Die Hersteller sollen künftig einen Nachweis über den Systemertrag ihrer Anlagen erbringen. Er gibt an, wie viel Solarwärme sie unter bestimmten Bedingungen pro Jahr erzeugt. Damit können Interessenten leicht die Kosteneffizienz eines Systems einschätzen.

Um den Nachweis auf den Weg zu bringen, wäre eine spezielle Förderung für Anlagen möglich, deren Jahresoutput in speziellen Testverfahren simuliert wurde. „Würde zum Beispiel über das Marktanreizprogramm ein zusätzlicher Bonus für Systeme mit Nachweis gewährt, könnten Anbieter ihre Mehrkosten für die Simulation kostenneutral an Kunden weitergeben“, erklärt Stryi-Hipp. Doch hier sperrte sich das für die Solarthermie-Förderung zuständige Bundesumweltministerium. Es gebe zu viele Unwägbarkeiten, hieß es zuletzt. (grh)