Publisher THQ baut ein Viertel der Stellen ab

Auch in der Spielebranche wird es enger. THQ weist einen Millionenverlust aus, rechnet nicht mit schneller Besserung und setzt weiter den Rotstift an. 220 Millionen US-Dollar sollen gespart werden, was rund 600 Jobs kosten wird.

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Die Wirtschaftskrise hat auch die Spielebranche erwischt. Noch Ende vergangenen Jahres zeigten sich die großen Publisher einigermaßen zuversichtlich. Sie hofften auf das Weihnachtsgeschäft, traditionell der große Zahltag für die Branche. Das sollte auch der allgemein tristen Wirtschaftslage trotzen. Die Krise, so die leise Hoffnung, würde den sogenannten Cocooning-Effekt befördern: Die Verbraucher machen es sich zu Hause gemütlich und investieren selektiv in Sofa-Entertainment wie etwa Videospiele und gehen dafür weniger aus. Die Zahlen, die nun langsam auf den Tisch kommen, sprechen allerdings eine andere Sprache.

Nach Electronic Arts meldet nun auch Publisher THQ einen schweren Verlust und greift zu den bekannten Mitteln Restrukturierung und Stellenabbau. Das Unternehmen weist für das Schlussquartal 2008, das dritte seines Geschäftsjahres, einen Verlust von 191,8 Millionen US-Dollar (149 Millionen Euro) oder 2,86 US-Dollar pro Aktie aus. Im Vorjahr hatte THQ noch 15,5 Millionen US-Dollar Gewinn gemacht. Auch ohne die Abschreibungen auf Firmenwerte, die das Ergebnis außerordentlich belasten, wies THQ einen Verlust von 0,14 US-Dollar pro Aktie aus und enttäuschte damit die Analysten, die mit einem Gewinn pro Aktie um die 0,07 US-Dollar gerechnet hatten.

Der Umsatz brach im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 357 Millionen US-Dollar ein und blieb damit noch hinter den gedämpften Erwartungen und dem Branchentrend zurück. Der Videospielsektor sei 2008 insgesamt gewachsen, sagte Brian Farrell, "und offensichtlich haben wir an diesem Wachstum nicht voll teilhaben können". Der THQ-Chef will den Abwärtstrend nun mit Korrekturen am Portfolio sowie einem weiteren Kostensenkungsprogramm umkehren.

Mit den bereits im November angekĂĽndigten SparmaĂźnahmen und der Entlassung von rund 250 Mitarbeitern sei bereits ein Einsparpotenzial von 120 Millionen US-Dollar realisiert worden, sagte Farrell und kĂĽndigte an, weitere 100 Millionen US-Dollar einsparen zu wollen. Das bedeutet einen Personalabbau von insgesamt 600 Mitarbeitern, einem Viertel der Belegschaft.

Die Restrukturierung wird auch das laufende Quartal und das Ergebnis des Geschäftsjahrs belasten. THQ rechnet für das vierte Quartal mit einem Ergebnis "deutlich unter den bisherigen Erwartungen", ohne dazu Zahlen zu nennen. Bisher war das Unternehmen von einem Jahresumsatz von bis zu 900 Millionen US-Dollar ausgegangen.

Mit Bekanntgabe der Quartalszahlen am heutigen Donnerstag stellte das Unternehmen Paul Pucino als neuen Finanzvorstand (CFO) vor, der auf den krankheitsbedingt ausscheidenden Colin Slade folgt. (vbr)