Fax für 3D-Objekte
Mit dem ZEUS des Start-ups AIO Robotics lassen sich Gegenstände digital erfassen und anschließend nachbauen.
Mit dem ZEUS des Start-ups AIO Robotics lassen sich Gegenstände digital erfassen und anschließend nachbauen.
Wer einen Gegenstand mit den immer beliebter werdenden 3D-Printern ausdrucken möchte, benötigt zunächst eine digitale Vorlage. Die stammt heutzutage in den meisten Fällen aus dem Internet, von Plattformen wie beispielsweise Thingiverse. Dort teilen freundliche Menschen ihre Designs mit anderen Usern oder verkaufen sie gegen (zumeist) kleine Beträge. Alternativ kann man selbst damit beginnen, mit einem Gestaltungsprogramm aktiv zu werden – und sich das gewünschte Objekt im Computer Schritt für Schritt von Hand aufbauen.
Noch deutlich einfacher wird es, wenn man sich neben dem 3D-Printer auch noch einen 3D-Scanner gönnt. Mit diesen Geräten ist es möglich, Gegenstände zu digitalisieren, also ihre Dimensionen abzutasten und zu erfassen und daraus dann eine digitale Druckdatei zu generieren. Hier gibt es verschiedene Ansätze – Bastellösungen wie die Verwendung der Spielekonsolenkamera Kinect, teurere Tischgeräte oder Scanner, die man in die Hand nehmen kann. Alle bedingen stets Platz neben dem bereits vorhandenen 3D-Printer.
(Bild: AIO Robotics)
Das Start-up AIO Robotics aus Los Angeles will deshalb nun Scannen und Drucken in einem Gerät kombinieren. Das erste Produkt der Firma, ZEUS genannt, soll der erste massenproduzierte All-in-One-3D-Printer sein. Bis Anfang Oktober hatte die kleine Firma dafür mehr als 110.000 Dollar auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eingesammelt.
Der ZEUS soll frühestens ab kommenden Sommer verfügbar sein und druckt mit dem 3D-Printer-üblichen Kunststoff PLA aus der Gruppe der Polymilchsäuren in einer Auflösung von maximal 100 Mikrometern. Soll der Druck schneller gehen, sind auch 200 oder 300 Mikrometer einstellbar. Das Ausgangsmaterial wird von einer 1,75 Millimeter dicken Rolle bezogen.
Der Scanner-Teil des Geräts besteht aus einer HD-Kamera in Verbindung mit einem Abtastlaser. Der soll Gegenstände je nach Größe in fünf bis 30 Minuten erfassen können. Scanner und Drucker werden automatisch kalibriert.
(Bild: AIO Robotics)
Im Inneren des All-in-One-Geräts steckt ein kleiner Computer mit Smartphone-Technik. Der verbaute 1,7 GHz schnelle ARM-Prozessor mit vier Kernen verwaltet die Scan- und Druck-Daten und kann auf Wunsch auch mit einem Cloud-Dienst zusammenarbeiten, den AIO Robotics einführen möchte. So könnte etwa die Kantenberechnung von Gegenständen in eine Serverfarm ausgelagert und damit beschleunigt werden. Die Software soll schlau genug sein, kleine Lücken in einem Scan aufzufüllen, die beim Druck nicht vorkommen dürfen.
Eine hohe Lernkurve soll der ZEUS nicht haben. Statt mit verschiedenen Drittanbieterprogrammen an PC oder Mac arbeiten zu müssen, soll sich das System für den Nutzer direkt über einen sieben Zoll großen Touchscreen kontrollieren lassen. Alternativ akzeptiert es aber auch fertige Dateien von einem CAD-Programm am Computer.
(Bild: AIO Robotics)
Preislich soll der ZEUS günstiger sein als Drucker und Scanner zusammen. Das All-in-One-Gerät wird 2500 Dollar kosten, während man beim Konkurrenten MakerBot für einen Replicator 2 (3D-Printer) und einen Digitizer (Scanner) zusammen 3600 Dollar bezahlt. MakerBot hat allerdings schon mehrere Jahre Erfahrung in dem Geschäft und gehört mittlerweile zum Rapid-Prototyping-Riesen Stratasys.
AIO Robotics denkt auch darüber nach, einen neuartigen Internet-Dienst anzubieten, sollten sich die ZEUS-Modelle ordentlich verkaufen. So wäre es denkbar, zwischen zwei der All-in-One-Geräte dreidimensionale "Faxe" zu verschicken. Dabei würde ein Objekt am Ausgangsort gescannt und dann am Empfangsort ausgedruckt. Größer als 26 mal 18 mal 15 Zentimeter darf der Gegenstand allerdings nicht sein, denn mehr fasst der im ZEUS enthaltene Teller nicht, der gleichzeitig als Bau- und Scan-Plattform dient.
Der Hersteller hofft, mit dem ZEUS den ersten echten Endkunden-3D-Printer auf den Markt bringen zu können. Deshalb ist das Gerät optisch auch eher wie ein modernes Bürogerät gehalten und verwendet eine Aluminiumstruktur samt pulverbeschichteter Außenhaut. (bsc)