Freundinnen finden für Nerds

Stanford-Forscher haben eine App entwickelt, mit der Freiwillige sich ausspionieren lassen können. Schockierend: Jetzt haben sie entdeckt, dass die App tatsächlich funktioniert.

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Stanford-Forscher haben eine App entwickelt, mit der Freiwillige sich ausspionieren lassen können. Schockierend: Jetzt haben sie entdeckt, dass die App tatsächlich funktioniert.

Viele Leute halten Computerfreaks für etwas seltsam. Ich muss zugeben, dass Sie leider Recht haben.

Was mich zu dieser Erkenntnis zwingt? Es sind Dinge wie das Metaphone-Projekt, die mich tief zweifeln lassen, ob technische Begabung alleine wirklich reicht, in der Welt zurecht zu kommen.

Die Idee an sich ist höchst ehrenwert: Zwar findet die globale NSA-Überwachung mittlerweile sogar in den US-Medien statt. Doch viele "unbescholtener Bürger“ glauben nicht, dass auch sie davon betroffen sind. Zumal die NSA betont, dass sie ja oftmals "nur“ Metadaten sammelt - also den eigentlichen Inhalt von Gesprächen, Mails etc. gar nicht anfasst.

So weit, so gut. Jetzt kommt die Nerd-Logik: Um ihre Mitbürger davon zu überzeugen, dass Überwachung keine gute Sache ist, haben Ingenieure der Stanford University damit begonnen, Freiwillige zu überwachen. Sie haben eine App entwickelt, die Teilnehmer an einem Massenexperiment auf ihrem Smartphone installieren. Die App übermittelt dann der Forschungsgruppe Kopien der Metadaten eines Nutzers – also die Uhrzeiten von Anrufen und Kurznachrichten sowie die Aktivitäten in Facebook. Mit Hilfe von Data-Mining-Verfahren wollen die Ingenieure dann herausfinden, welche aufschlussreichen Informationen über den Alltag sich aus den Daten herausfiltern lassen.

Na ja, manche Menschen lernen ja emotional am schnellsten. Aber dass man Überwachungstechnologie entwickeln muss, um zu beweisen, dass Überwachungstechnologie eine schlimme Sache ist, halte ich für - sagen wir mal schräg.

Noch lustiger ist allerdings ein aufgeregtes Blogposting, in dem die Autoren der App erste Ergebnisse verkünden. Sie haben herausgefunden, dass die am meisten angerufene Nummer bei 60 Prozent der Überwachten die Nummer der jeweiligen Partnerin oder des Partner ( „Significant Other“ heißt das so schön in dem Post) ist - die Nummer, an die die meisten SMS-Nachrichten gehen, ist bei 70 Prozent die Nummer der Freundin oder des Freundes.

Da schau her. Was ist mit den anderen 40 Prozent? Dass soziale Beziehung wirklich blöd kompliziert sind, beklagen die Stanford-Wissenschaftler denn auch im Zusammenhang mit der zweiten Frage: Kann man aus diesen Daten überhaupt rausfinden, ob jemand in einer Beziehung steckt oder nicht?

Denn die Antwort ist: Im Prinzip ja, aber... Sie ließen ein Maschinenlern-Programm über die Daten laufen, dessen Ergebnisse natürlich von der Strenge der Vorgaben abhängt. Je schärfer sie die Vorgaben definierten, desto weniger falsche Ergebnisse lieferte das Programm - umso mehr eigentlich richtige Ergebnisse (also Menschen mit Beziehungen) hat es aber übersehen. Ein typischer „Tradeoff“. Je weniger „falsch positive“ Ergebnisse man bekommt, desto mehr „falsch negative“ erzeugt man.

Um das zu lernen, muss man kein Massenexperiment mit Selbstüberwachung durchführen. Dazu reicht ein Blick ins Statistik-Lehrbuch. Außerdem suggerieren diese Ergebnisse eine falsche Sicherheit. Denn während die Stanford-Studenten vielleicht zu dem Ergebnis kommen, dass sich zwar eine ganze Menge über Metadaten herausbekommen lässt, manche Fakten aber bleiben Schnüfflern verborgen, und die besorgen sie sich eben über sich Zusatz-Informationen, die sie in die Auswertung mit einbauen. Zum Beispiel Standort-Daten.

Und nein, das war jetzt kein Verbesserungsvorschlag. (wst)