Start it up

Angesichts der kontroversen Diskussionen um Windows 8 und des verlängerten Verkaufs von Windows 7 überlegt iX-Redakteur Moritz Förster, was ein erfolgreiches Betriebssystem aus Redmond ausmacht.

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Um Details streitet man sich gern – bei Windows 8 bekanntlich um das Fehlen des Startbuttons. Unbedienbar für die einen, richtungsweisend für die anderen. Aber im Kern ging es weder um die wenigen Pixel noch um die neue Oberfläche. Denn was macht letztendlich ein erfolgreiches Windows aus?

Der ursprĂĽngliche Durchbruch zum Quasi-Monopol auf dem Desktop-Markt gelang Microsoft nicht mit Windows for Workgroups samt seinem ab 3.11 nachinstallierbaren TCP/IP-Internetzugang oder der damals fortschrittlichen NT-Workstation. Der simple Schritt zu 95 lieĂź Privatanwender und Nutzer am Arbeitsplatz alle Konkurrenz vergessen.

Neu waren der Startbutton und das umfangreich konfigurierbare Menü; beide heftig vermarktet, geliebt und belächelt, fanden sie schnell den Weg ins professionelle NT 4.0. Entscheidet sich also hieran der Erfolg, ist dem aktuellen Windows keine rosige Zukunft bestimmt.

Jedoch macht schon der Blick auf ME und Vista deutlich, dass es daran nicht liegen kann. Beide verschmähten Ausgaben setzten auf grafische Klassik im Redmonder Stil – und kombinierten sie mit frustrierenden Abstürzen. Solche Neuerungen brauchte niemand.

2000 und 7 brachten vor allem eins: Stabilität. XP gehört heute zwar zu den populärsten Umgebungen, hatte anfangs aber mit dem Unwillen der Nutzer zu kämpfen. Erst mehrere Service Packs ließen es zum Liebling mutieren. Updates, die vor allem eins brachten: Stabilität.

Nun kann man Windows 8 unter der Haube wenig vorwerfen: Die Umgebung läuft ohne Abstürze und selbst auf älterer Hardware flott. Alle Vorgänger boten jedoch eins, was nun fehlt: Die Option, den Desktop so einzurichten, wie man es mag. Du magst Aero nicht? Kein Problem, ein Klick auf „klassisch“. Ist ja noch vom offiziell bunten XP bekannt.

Mit Zwang dem Menschen die eigenen Ideen aufzudrĂĽcken, mag ein beliebter Sport in wohlgemeinten Diktaturen sein, mit Nutzerfreundlichkeit hat es wenig zu tun. Und hier stolpert Windows 8, denn niemand will einen Rechner nutzen, mit dem man sich dem Willen eines Konzerns ausgeliefert fĂĽhlt.

Pünktlich zum Jahresende scheint sich Redmond seines Leistens zu besinnen: Keine Panik, ihr späten XP-Umsteiger, Windows 7 könnt ihr noch länger kaufen. Und die Gerüchte zu 8.2: Startbutton für die einen, Modern-UI-only für die anderen. Angst vor verwirrend vielen Versionen sollte Microsoft nicht haben, denn wer sich den permanenten Wechsel zwischen zwei Oberflächen merken kann, schafft es auch, den richtigen Desktop für sich zu wählen.

Die Grundannahme, dass Nutzer mündige Kunden sind, hat noch keinem Unternehmen geschadet. Ein aktuelles und stabiles Windows, das jedem den Desktop bietet, den er und nicht der gefeuerte Chefdesigner möchte: Start it up. (fo)