Infarktdiagnose in Minuten

US-Forscher nutzen ein neues Biomarker-Erkennungsverfahren, um Herzkrankheiten zweifelsfrei nachzuweisen.

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Eine neue Methode zur schnellen Diagnose von Infarkten soll die Überlebenschancen Betroffener deutlich erhöhen und auch die Gefahr permanenter Schäden am Herzen minimieren. Derzeit kann es bis zu sechs Stunden dauern, bis ein Arzt einen Infarkt zweifelsfrei festgestellt hat. Der neue Ansatz, den US-Wissenschaftler entwickelt haben, soll nur noch zehn Minuten benötigen. Dabei werden winzige Spuren biochemischer Marker im Blut, darunter Lipide, Zucker und Aminosäuren, mit Hilfe des so genannten Stoffwechsel-Profilings untersucht, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Das Stoffwechsel-Profiling wird bereits in anderen Bereichen der Medizin untersucht. Das Problem: Die dabei untersuchten Stoffe können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein und werden unter anderem davon beeinflusst, welche Nahrung man regelmäßig zu sich nimmt. Um die Methode genauer zu machen, bediente sich Robert Gerszten, leitender Forscher in der kardiologischen Abteilung des Massachusetts General Hospital im amerikanischen Boston, einer Behandlungsmethode, die normalerweise bei Patienten mit der Herzkrankheit der hypertrophen Kardiomyopathie verwendet wird. "Menschen mit diesem Krankheitsbild profitieren von einem so genannten geplanten Herzinfarkt", sagt Gerszten. Bei der Behandlung wird Alkohol in einen Teil des Herzens injiziert, sodass ein kleiner, kontrollierter Infarkt eintritt, der überschüssiges Gewebe zerstört, das zuvor Probleme machte.

Die Behandlungsmethode ermöglicht es den Forscher nun auch, sehr einfach Stoffwechselprodukte zu entdecken, die mit Herzinfarkten in Verbindung stehen. Gerszten und sein Team werteten dazu Blutproben von 36 Patienten vor und nach dem Eingriff aus. So konnten auch Hintergrundstoffe ausgefiltert werden. Es blieben nur noch die Biomarker übrig, die direkt mit dem Infarkt in Verbindung stehen.

Das Blut jedes Patienten wurde dazu mit einem Massenspektrometer untersucht. Dabei kam die Technik des so genannten Multiplexings zum Einsatz, mit der eine große Anzahl Stoffwechselprodukte fast gleichzeitig analysiert werden kann. Schon nach 10 Minuten war so geprüft, ob 210 Stoffwechselprodukte im Blut enthalten waren. Im Versuch wurde das dann mit dem Zustand des Blutes vor dem eingeleiteten Herzinfarkt verglichen. "Es ist eine Substraktionsanalyse", sagt Gerszten, "das Schöne daran ist, dass jede Versuchsperson ihre eigene Kontrollgruppe ist". Noch ist allerdings unklar, wann das neue Diagnoseverfahren auf den Markt kommt. Gerszten will es nun zunächst an größeren Patientenpopulationen testen.

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(bsc)