Digitale Erfahrungen bei ARD Aktuell

Seit diesem Jahr sendet die zentrale Nachrichtenredaktion des Ersten mit modernster Technik. Anlass fĂĽr den Radikalumbau waren auch Ereignisse wie am 11. September 2001.

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Seit dem 28. Januar 2008 sendet ARD Aktuell, die zentrale TV-Nachrichtenredaktion des "Ersten", komplett digital. Server des Herstellers Quantel fahren seither alle Sendungen einschließlich "Tagesschau", "Tagesthemen", dem Nacht- und Morgenmagazin sowie der "Tagesschau in 100 Sekunden" für Handys und andere Mobilgeräte. Das Technologiemagazin Technology Review hat die Studios besucht und berichtet in seiner aktuellen Ausgabe 10/08 (seit dem 18. 9. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen) über die Hintergründe des Technikwechsels – und wie gut er funktioniert hat.

In der ARD-Sendezentrale sind inzwischen die Bandmaschinen abgebaut. Schneideräume gibt es nicht mehr; Redakteure, Cutter für aufwendigere Schnittarbeiten und Grafiker arbeiten in drei großen "Newsrooms" an gemeinsamen Schreibtischen. Lediglich zwei Räume sehen noch aus, wie man sich Fernsehtechnik vorstellt, nämlich die Senderegie und der "Ingest"-Raum, in dem auf bis zu zwölf parallelen Kanälen Rohmaterial eingeht und auf Servern gespeichert wird.

Motiviert wurde der Umstieg nicht zuletzt durch die Ereignisse des 11. September 2001. Damals erlebte ARD Aktuell ein kleines Waterloo: Während andere Sender bereits live von den Anschlägen berichteten, brachte das Erste eine Folge der Tierserie "Abenteuer Wildnis". Schon in der zuvor gesendeten 15-Uhr-"Tagesschau" hatte das erste Thema eigentlich ein auf das New Yorker World Trade Center zufliegendes Flugzeug mit anschließender Explosion sein sollen. Der dazugehörige Text war im elektronischen Redaktionssystem freigegeben. Doch wie der damalige Moderator Claus-Erich Boetzkes berichtet, hatte man in der Eile versäumt, die Sekretärin von der Änderung zu unterrichten, die im Studio den Teleprompter bediente.

Das kann nun nicht mehr passieren, alle Systeme sind untereinander direkt vernetzt. Georg Grommes, Chef vom Dienst und Leiter "Strategie und Innovation" bei ARD Aktuell, begann 2001 mit Planungen zum Umbau der Technik auf Digitalbetrieb. 2003 startete ein Pilotprojekt, in dem die Journalisten Videomaterial selbst sichten, bearbeiten und senden konnten. Auf seine Wünsche reagierte die Herstellerfirma Quantel anfangs mit "geht nicht"; erst nach "vielen, vielen Pflichtenheften", so Grommes, war sie bereit, "über ihren Schatten zu springen". Zunächst beim Digitalsender "EinsExtra", dann in den Nachmittagssendungen wurde das System "rundgelutscht", erzählt ein ARD-Redakteur. (bsc)