Mehr Haut wagen!
Übermotivierte Pixelschubser führen nicht nur einen Kreuzzug gegen die natürliche Textur der Haut, sondern amputieren Flugzeugen auch schon die Tragflächen.
Übermotivierte Pixelschubser führen nicht nur einen Kreuzzug gegen die natürliche Textur der Haut, sondern amputieren Flugzeugen auch schon die Tragflächen.
Fehlende Körperteile, Phantomhände, schwebende Menschen – übermotivierte oder unterqualifizierte Pixelschubser haben dem Netz ein hübsches Panoptikum an anatomischen Absonderlichkeiten beschert. Meist stammen solche "Photoshop Disaster" aus der Mode- oder Werbebranche. Doch auch die Marketingabteilung von Boeing hat den Realitätscheck offenbar wegrationalisiert.
Anders ist es nicht zu erklären, dass bei Renderings der neuen Modelle 777-9X und 777-8X bei beiden Maschinen die linke Tragfläche ab dem Triebwerk einfach fehlt. Mindestens ebenso erstaunlich ist es, dass es dafür noch keine höhnischen Kommentare gehagelt hat. Offenbar nehmen Nutzer solche Schnitzer mittlerweile nur noch schulterzuckend zur Kenntnis.
Dabei haben diese offenkundigen Totalausfälle ja immer noch den Charme, dass sie ihre eigene Künstlichkeit nicht verbergen. Die eigentlichen Photoshop-Desaster sind für mich längst die professionell aufgepimpten Titelbilder von Mode- und Fernsehzeitschriften. Wo bitteschön ist heute denn noch nackte Haut zu sehen?
Alles, was ich dort zu sehen bekomme, ist fleischfarbener Pixelbrei, dem selbstverliebten Bildbearbeiter jegliche Textur, jedes Häärchen, jede Runzel, jede Pore exorziert haben. Ich will jetzt gar nicht der verlorenen Authenzität der Fotografie nachgreinen. Die hat es ja ohnehin nie gegeben. Aber ich finde diesen Kreuzzug gegen die natürliche Textur der Haut einfach nur öde und langweilig. (grh)