Mikroorganismen in Pillenform

Das Start-up Seres Health arbeiten an klinisch zugelassenen Medikamenten auf Bakterienbasis.

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Neue Forschungsergebnisse im Bereich des Mikrobioms, also der Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroorganismen, haben in letzter Zeit zu einer kleinen Gründungswelle geführt. Sowohl Start-ups als auch große Pharmafirmen schauen sich den Sektor an. Während einige Forscher planen, das Mikrobiom kranker Menschen medikamentös "zurückzusetzen", will das Start-up Seres Health stattdessen gleich lebende Bakterien verabreichen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Firma will zunächst das Mikrobiom gesunder Menschen mit dem von Personen mit bestimmten Erkrankungen vergleichen. Dazu wird nicht nur eine Liste der im Darm lebenden Mikroorganismen erstellt, sondern auch erforscht, wie Teile des Mikrobioms untereinander und mit dem menschlichen Körper interagieren.

In den letzten Jahren gab es großangelegte Mikrobiom-Studien, die unter anderem von den amerikanischen National Institutes of Health durchgeführt wurden. Sie zeigen, dass im Körper eines gesunden Menschen rund 10.000 verschiedene Mikroorganismen beheimatet sind. Auf eine einzige menschliche Zelle kommen demnach 10 von Mikroben. Forscher konnten außerdem zeigen, dass das Mikrobiom den Gesundheitszustand teilweise signifikant beeinflusst und die Beeinflussung der Bakterienkulturen beispielsweise Magen-Darm-Infektionen heilen sowie Entzündungen oder schweres Übergewicht mildern kann. Im Tierversuch an Mäusen wurde zudem gezeigt, dass bestimmte Bakterien vor Diabetes schützen.

Sollte das Start-up erfolgreich sein, könnte die Firma ganz neue Medikamente anbieten. "Wir reden hier nicht von neuen Chemikalien, die in Bottichen hergestellt werden", sagt Seres-Health-Mitbegründer Noubar Afeyan, der gleichzeitig Partner beim Risikokapitalunternehmen Flagship Ventures ist, das zu den Investoren gehört. "Wir sprechen hier über lebende Organismen, die den menschlichen Körper natürlich besiedeln."

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(bsc)