Software erarbeitet Hurrikan-Notfallplan

Forscher am MIT entwickeln neuartige Vorhersagewerkzeuge, die Evakuierungen bei Naturkatastrophen erleichtern sollen.

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Als sich der Hurrikan Ike der US-Golfküste näherte, mussten die lokalen Behörden und Notfallmanager schnell wichtige Entscheidungen treffen: Wann und wie sollten die Bewohner evakuiert werden und wann und wo waren Hilfsgüter notwendig? Ein guter Schutzplan kann Leben retten und Menschen und Staat Millionen einsparen helfen, doch die Unvorhersehbarkeit solcher Naturkatastrophen macht die Entscheidungsfindung schwierig. Ein Forscher am MIT testet deshalb nun eine Software, die Verantwortlichen bessere und genauere Lösungsvorschläge auf Basis großer Datenbestände geben soll, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Um die Hurrikan-Schutzmaßnahmen zu koordinieren, müssen Notfallmanager in den USA auf vor Ort entstandene Evakuierungsspläne und die Regeln setzen, die die Katastrophenschutzbehörde FEMA aufgestellt hat. Seit dem Katrina-Skandal wurden neue Planungsverfahren eingeführt. Die FEMA nutzt außerdem ein Computermodell, um abzuschätzen, wie lange es dauert, bis eine Stadt geräumt ist – ausgehend von der Bevölkerungszahl. Allerdings beherrscht das Modell derzeit keine Vorhersagen, wann oder wie am besten evakuiert wird.

Die neue MIT-Software könnte den Behörden helfen, humanitäre Katastrophen künftig zu vermeiden, weil sie auf unvorhergesehene Probleme aufmerksam machen kann. Sie kombiniert historische Hurrikan-Daten, aktuelle Wetterbedingungen und mögliche Hurrikan-Bewegungen, um die am stärksten betroffenen Regionen zu ermitteln und ihnen Gefahrenwerte zuzuordnen. "Das Modell ist effizienter, weil es die Leute Schritt für Schritt evakuieren kann und damit Staus vermeidet", erklärt Michael Metzger, der die Software als Doktorand am Operations Research Center (ORC) des MIT entwickelt hat.

Das Planungswerkzeug ist außerdem flexibel und erlaubt es Notfallmanagern, die Geographie und die demographische Zusammensetzung der betroffenen Städte einzubeziehen. Der letztgenannte Aspekt wird bislang von der FEMA nicht beachtet – er unterscheidet unter anderem zwischen alten Menschen, Touristen, Krankenhauspatienten und Familien mit Kindern, was die Evakuierungsplanung erheblich erleichtert. Außerdem werden die verfügbaren Routen stets einberechnet. Gibt es nur eine Autobahn, die aus einer Region herausführt, ermittelt die Software, dass die Evakuierung über Tage verlaufen muss. Das System kann außerdem berechnen, wann es sinnvoll ist, Versorgungsgüter zu liefern, wann Notfallunterkünfte gebaut werden müssen und wann schlimmstenfalls die Nationalgarde gerufen werden sollte.

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(bsc)