Rolli Reloaded
Die japanische Firma Whill möchte die Gehhilfe revolutionieren. Ihr Type A genannter Rollstuhl enthält moderne Steuerungstechnik.
Die japanische Firma Whill möchte die Gehhilfe revolutionieren. Ihr Type A genannter Rollstuhl enthält moderne Steuerungstechnik.
Die Geschichte des Rollstuhl ist lang. Erste noch erhaltene Erwähnungen der Fortbewegungshilfe für gelähmte und verletzte Menschen gab es schon im 16. Jahrhundert, doch auch schon einige Jahrhunderte zuvor soll es die Technik bereits in der ein oder anderen primitiven Variante gegeben haben.
1869 wurde einem Erfinder in Amerika dann erstmals vom nationalen Patentamt eine Schutzschrift über ein Gefährt erteilt, das die klassische Anordnung mit zwei großen Rädern hinten und zwei kleinen vorne zeigte. Die Räder hinten konnte der Fahrer selbst mit seinen Händen zum Rollen bringen, die vorne bewegten sich mit. Das war dementsprechend anfangs eine recht schmutzige Angelegenheit für den Nutzer – denn die außen angebrachten Zusatzreifen, die auch heute noch als Handlauf zur Bewegung der Haupträder dienen, waren damals noch nicht erfunden. Sie kamen dankenswerterweise später hinzu, allerdings erst nach einigen Jahren.
(Bild:Â Whill)
Whill, ein Start-up mit Wurzeln in Japan und Amerika, hat sich nun zum Ziel gesetzt, den Rollstuhl ins 21. Jahrhundert zu holen – genauer: seine motorbetriebene Variante. Dazu hat die junge Firma eine futuristische elektrische Bewegungshilfe mit diversen verbesserten Funktionen entwickelt. Ein cooler Look war der Hauptwunsch der Benutzer, die vorab von den Designern nach ihren Anforderungen für einen "Rollstuhl der Zukunft" befragt wurden. Mit traditionellen Rollis hatten sie demnach oft das Gefühl, unangenehm aufzufallen, was sie gerne ändern wollten.
Das hat geklappt: Jetzt ernten die Beta-Tester des neuen Rollstuhls eher bewundernde Blicke – nicht nur wegen des modernen Designs mit organischen Formen, die an ein Raumschiff erinnern, sondern vor allem auch für die moderne Steuerung. Das neue Gefährt mit dem Namen "Type A" lässt sich mit einem runden Touchscreen manövrieren, der innen an der linken Armlehne sitzt. Rechts befindet sich an gleicher Stelle ein Geschwindigkeits-Schieberegler. Die Steuerung soll so intuitiver und einfacher sein als mit herkömmlichen Joysticks.
(Bild:Â Whill)
"Neben der guten Ästhetik war es uns wichtig, dem Benutzer das Gefühl zu geben, dass er eher ein Auto, ein Motorrad oder ein Skateboard fährt", kommentierte Atsushi Mizushima, Direktor für Geschäftsentwicklung bei Whill, gegenüber dem US-IT-Blog "TechCrunch". Alle diese Gefährte machten ihren Benutzer beim Fahren glücklich. Das wolle man auch auf den Rollstuhl übertragen. "Der wirkt auf viele Menschen als Mobilitätshilfe immer noch unangenehm. Die Leute nehmen diese Geräte als einschränkend wahr."
Type A soll laut Whill für den Fahrer zudem ergonomisch sein. Dazu verfügt der Rollstuhl über einen Sitz des Zulieferers Varilite, der sich in mehren Höhen ordern lässt, um den Rücken optimal zu stützen. Bei der Verwendung soll der Benutzer zudem eine gesunde Haltung einnehmen, die eher der auf einem Fahrrad oder einem Motorrad entspricht – man lehnt sich stärker nach vorne. "Wir zwingen die Leute nicht zu einer passiven Sitzhaltung", sagt Mizushima.
(Bild:Â Whill)
Mit seinem Akkusatz kommt Type A derzeit über 20 Kilometer weit. Die Maximalgeschwindigkeit, die der Rolli erreichen kann, liegt bei bis zu 10 Kilometern pro Stunde. Besonders gut soll auch die Geländegängigkeit des Type A sein, wie die Whill-Macher betonen. Selbst Schotterbeläge mit größeren Steinen in Parks sind demnach kein Problem. 24 quer angeordnete Rädchen an den Vorderrädern erlauben zudem ein platzsparendes Drehen auf der Stelle, was die Manövrierfähigkeit des Nutzers beim Fahren in Städten beispielsweise auf vielfrequentierten Wegen deutlich erhöht. Der Rollstuhl meistert außerdem sogar Bordsteinkanten mit einer Höhe von bis zu 7,5 Zentimetern.
Wie viel Type A kosten wird, wurde bislang von Whill nicht kommuniziert. Auf den amerikanischen Markt soll der Rollstuhl mit etwas Glück noch im Frühjahr 2014 kommen, Europa folgt allerdings erst später.
Aktualisierung: Mittlerweile hat Whill einen Vorbestellungspreis genannt. Dieser liegt bei 9500 US-Dollar.
(bsc)