Die Multi-Kreditkarte
Das US-Start-up Coin hat eine digitale Bezahlkarte entwickelt, die fĂĽr schlankere Geldbeutel sorgen soll.
Das US-Start-up Coin hat eine digitale Bezahlkarte entwickelt, die fĂĽr schlankere Geldbeutel sorgen soll.
Fast jeder Mensch kennt das Problem: Der Geldbeutel wird dank zahlreicher Kredit- und Bankkarten immer dicker – und auch andere Ausweise bestehen zumeist aus schwer auftragendem Kunststoff, der die Hosentasche ausbeult. Die junge Firma Coin aus dem kalifornischen San Francisco will hier Abhilfe schaffen: Sie hat eine Kreditkarte mit elektronischem Innenleben entwickelt, die ihre Identität wechseln kann. So soll man nur noch eine Karte statt einem ganzen Haufen mit sich herumtragen müssen.
In dem StĂĽck Coin-Plastik steckt dazu ein Chip, der die auf dem Magnetstreifen gespeicherten Daten auf Knopf- beziehungsweise Kartendruck wechseln kann. Welche Karte man verwendet, zeigt ein auf der Vorderseite integrierter Minibildschirm der "Coin Card", wie sich das Produkt nennt.
(Bild:Â Coin)
Bis zu acht verschiedene Karten fasst das System in seiner aktuellen Ausführung. Neben Kreditkarten sollen sich auch Debit- und Gutscheinkarten sowie Mitgliedsausweise auf Coins Produkt speichern lassen. Bedingung:Sie müssen über einen Magnetstreifen verfügen. Eine Smartphone-App (iPhone) hilft bei der Konfiguration. Neue Karten werden eingelesen, indem man sie mit der Handy-Kamera fotografiert – eine Software erkennt dann die Ziffern samt Sicherheitscode und macht daraus für den Magnetstreifen kompatible Datensätze. Die Coin Card wiederum erhält diese Informationen über ein kleines Gerät, durch das man die Karte wie bei einem Lesevorgang ziehen muss. Über die App lässt sich auch die aktuelle Zusammensetzung des Zahlmittels wechseln.
Die Multi-Kreditkarte soll 100 Dollar kosten und ab Sommer auf den Markt kommen, ausgeliefert wird sie auch international. Wer sich für die Coin Card interessiert, kann sie bereits vorbestellen – wobei sich das Start-up das Recht herausnimmt, den Preorder-Preis sofort einzuziehen. "Das Design und die Herstellung neuer Geräte ist teuer. Als junge Firma hilft es uns, den Umsatz aus den Vorbestellungen zu nutzen, um die anfallenden Kosten zu bezahlen und Risiken zu minimieren", erklärt Coin. So wolle man "das bestmögliche Produkt" herstellen – samt außergewöhnlichem Service. Gänzlich vertrauenswürdig klingt das nicht.
(Bild:Â Coin)
Denn Coin muss bis zur Großserie noch einige Herausforderungen meistern. Dazu gehört die Frage, ob Unternehmen die Coin Card als Alternative zur regulären Kreditkarte überhaupt grundsätzlich akzeptieren – Stichwort Fälschungssicherheit. Zudem wirken die bislang gezeigten Prototypen mit ihrem E-Ink-Bildschirm noch etwas fragil und das Gesamtsystem setzt derzeit allein auf Magnetstreifen. Letzteres mag in den USA fast überall funktionieren. Doch in Europa verlangen immer mehr Geschäfte Karten mit Chip, nach dem sogenannten Chip & Pin- oder auch EMV-Verfahren. Coin verspricht, sich diesen Bereich anzusehen, allerdings soll eine EMV-fähige Hardware erst in einer späteren Generation des Systems bereitstehen.
Interessant wird auch die Haltung der Konkurrenz zur Coin Card. Denn nicht das Start-up hatte die Idee mit der Multi-Kreditkarte. Das geht aus einem Patent hervor, das der E-Commerce-Riese Amazon Anfang September letzten Jahres beantragte.
(Bild:Â Coin)
Darin geht es um eine sogenannte dynamische Kreditkarte, die frei programmierbar wäre. Mehrere Konten ließen sich so auf einem Stück Plastik vorhalten.
Sogar an einen cleveren Wechselmechanismus denkt Amazon: Die Karte soll mit einem GPS-Chip ausgestattet sein, um ortsbasiert arbeiten zu können. So würde dann beispielsweise automatisch der Zugang für das Fitnesscenter aktiviert, wenn man sich dessen Gelände nähert. Ob aus dem Patent jemals ein Produkt wird, steht allerdings in den Sternen – ebenso, ob Coin wegen der Eintragung womöglich Probleme mit dem E-Commerce-Giganten bekommt. (bsc)