Gentherapie soll Augenlicht wieder herstellen
Schweizer Forscher stellen im Tierversuch bei Mäusen eine Lichtempfindlichkeit wieder her.
Schweizer Forschern ist es gelungen, erblindeten Mäusen mit Hilfe einer Gentherapie einen Teil ihres Augenlichts wiederzugeben. Dabei wurden bestimmte Netzhautzellen mit Hilfe eines Bestandteils aus Algen-DNA reaktiviert. Die Nager konnten danach nicht nur die Präsenz von Licht spüren, sondern reagierten auch auf bewegliche Schwarzweiß-Muster, was zeigt, dass sie Objekte unterschiedlicher Größe unterscheiden konnten, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. "Sehr feine Details sollten sie noch nicht erkennen können, aber einige der größeren Objekte", sagt Botond Roska, Neurobiologe am Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinisch Forschung in Basel, der die Studie zusammen mit Wissenschaftlern an der Harvard Medical School durchführte.
Die Versuchstiere in der Studie litten an einer speziellen Form von Erblindung, die genetisch bedingt ist: Ihrer Netzhaut fehlen fast alle Sehzellen. Dieser Zustand, der beim Menschen unter anderem durch Erkrankungen wie Makuladegeneration oder Retinopathia pigmentosa in unterschiedlichem Schweregrad ausgelöst wird, kommt im Klinikalltag sehr häufig vor. Weil die Sehzellen der Mäuse vollständig fehlten, nahmen sich die Forscher die nächste Zellschicht im Sehapparat vor, die so genannten bipolaren Zellen. Normalerweise reagiert dieser Zelltyp auf die Lichtintensität. Eine Untergruppe namens ON-Zellen erzeugt Signale, wenn Licht auf sie fällt, während so genannte OFF-Zellen sich bei Lichteinstrahlung "abschalten". Das dadurch erzeugte Muster zeigt dem Gehirn die Helligkeit von sichtbaren Objekten in der Nähe an.
Roskas Gruppe widmete sich im Versuch den ON-Zellen mit Hilfe eines lichtempfindlichen Algenproteins namens ChR2. Es sollte, in die Netzhaut injiziert, dafür sorgen, dass dort wieder Lichtempfindlichkeit entsteht, wo es vorher keine gab. "Wir haben damit praktisch die Sehzellen in der Netzhaut nachgebaut", sagt der Forscher. Das ChR2-Protein bettet sich in die äußere Membran der ON-Zellen ein und agiert dort als eine Art Kanal, der elektrische Ladungen weitergibt. Nach einiger Zeit wurde feststellbar, dass die Nager wieder auf Licht reagierten.
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(bsc)