Neuartiges Netzhautimplantat soll Blinden helfen
Forscher in Boston arbeiten an einer Kombination aus speziellen Elektroden und Microcontrollern, die die Sehkraft bei Makuladegeneration und anderen Augenkrankheiten teilweise wiederherstellen soll.
Forscher des Boston Retinal Implant Project, haben technische Komponenten entwickelt, die Probleme bei Implantaten für erblindete oder stark sehschwachen Menschen lösen sollen. Das berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Prototypen wurden bereits an Tieren getestet, und die Gruppe plant klinische Studien am Menschen bis 2010. Das "Boston Retinal Implant Project" ist ein 1988 gegründetes Spin-off von MIT, Harvard Medical School und dem Massachusetts Eye and Ear Informary.
Bei vielen erblindeten oder stark sehschwachen Menschen könnten Implantate, die gesunde, mit der Netzhaut verbundene Nerven stimulieren, die Sehkraft zumindest teilweise wiederherstellen. Forscher arbeiten seit den Achtzigerjahren an einer solchen Technik, allerdings mit bislang nur eingeschränktem Erfolg. Eine der Haupthürden war bisher die Schaffung eines Implantats, das jahrelang im Auge verbleiben kann, ohne dass die Leistung abnimmt oder es zu Entzündungen kommt.
Bei Netzhaut-Erkrankungen wie der akuten Makuladegeneration oder der Retinopathia pigmentosa arbeiten die das Licht erkennenden Zellen in der Netzhaut nicht mehr richtig, obwohl die Nervenzellen, die die Signale von diesen Zellen an das Gehirn weiterleiten, noch gesund sind. Das Projekt in Boston nutzt ein Array aus Elektroden, um diese Zellen zu stimulieren und ein vereinfachtes visuelles Bild des Gesehenen im Gehirn zu erzeugen.
Eine Kamera, die auf einer Brille sitzt, nimmt das Bild auf, das dann über einen schnellen Microcontroller verarbeitet wird. Das Ergebnis wird anschließend drahtlos an ein Implantat geschickt, das 15 Elektroden im Inneren des Auges aktiviert. Das Implantat erhält auch seinen Strom drahtlos vom Microcontroller. In seiner aktuellen Form kann die Technik allerdings nur ein 15-Pixel-Bild reproduzieren, doch die Forscher arbeiten an einer Version mit 100 Bildpunkten, sie wollen sie später auf 1000 Bildpunkte steigern. Ergänzt wird die Technik mit speziellen Algorithmen, die für den Patienten etwa Kanten an Gegenständen leicht erkennbar machen, damit er sich ohne fremde Hilfe bewegen kann.
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(bsc)