DLD 2014: Preise, Parkplatz, Pinkelpause

Seit dem ersten Digital Lifestyle Day hat sich das von Burda veranstaltete bunte Warm-Up fĂĽr das Wirtschaftsforum Davos als "Digital Life Design" zum Tummelplatz der internationalen digitalen Elite gemausert.

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Von
  • Detlef Borchers

Was 2005 im Nymphenburger Schloss vor den Toren Münchens als leicht chaotischer "Digital Lifestyle Day" begann, hat sich mittlerweile als Konferenz über Digitales Leben etabliert. Internationale Investoren, darunter neuerdings auch russische "Venture-Kapitalisten" zahlen gerne die 2750 Euro Eintritt für den DLD, wenn dann die amerikanische Internet-Prominenz vom Leben in der Zukunft schwärmt und Startups vorgestellt werden, die ihren Schnitt gemacht haben. Dazu ein bisschen Kunst und Philosophie, dann lässt sich auch die Kritik eines Evgeny Morozov ertragen, der für die Investoren nicht viel übrig hat. Selbst das Denglisch eines deutschen Verkehrsministers wird akzeptiert, schließlich ist man in Bavaria, wo das Paradise gleich umme Ecke ist.

Wie bei vorangegangenen DLD bewegte die Teilnehmer die Frage, wo Europa steht im Wettbewerb mit Amerika (zur DLD-Tradition gehört es, dass Länder wie Israel und die Türkei Europa zugerechnet werden). Aus der Perspektive des Riesen ist die Bilanz 2014 ausgeglichen: Zu den Jackpot-Gewinnern zählten das israelische Startup Waze und das US-Unternehmen Nest, die beide von Google geschluckt wurden. Dem Vernehmen nach war der Energiekonzern RWE an Nest dran, zog aber den Kürzeren. Von daher wunderte es nicht, dass Telekom-Chef Timotheus Höttges bei seinem Auftritt gleiche Wettbewerbs-Bedingungen mit den Googles und Facebooks dieser Welt forderte.

Doch waren auf dem DLD auch Stimmen zu hören, dass Europa etwas kann, was aus den USA hinaus nicht gelingen will, weil Europäer andere Vorstellungen von einem guten Leben haben. Toon Bouten, CEO von Tomorrow Focus, verwies auf erfolgreiche Online-Reisebüros in seinem Konzern. Ecotour und Tjingo seien erfolgreich, weil sie sich auf Pauschalreisen spezialisiert haben, die in den USA nahezu unbekannt sind. Wer sich auf solche Segmente spezialisiere, habe beste Chancen, erfolgreich zu sein. Als nächstes will Bouten im Gesundheitssektor aktiv werden.

Europa siegte denn auch auf recht typische Weise bei dem von Focus ausgerufenen Startup-Wettbewerb: Den Digital Star Award bekam ResearchGate, ein US-amerikanisches Startup, das in Berlin residiert und zu den Vorzeigefirmen von Bundeskanzlerin Merkel gehört. Zu den Investoren zählt Bill Gates mit seiner Gates Foundation, die sich dem wissenschaftlichen Fortschirtt verschrieben hat. Einen Sonderpreis bekam das deutsche Startup YouPickIt, dass aktuelle Angebote bei lokalen Discountern sammelt. Ob schließlich SAP als Startup gelten darf ist Definitionssache, jedenfalls gewann die In-Memory-Datenbank SAP HANA einen Sonderpreis für eine Startup-würdige Idee.

Die nächsten großen Dinger sind laut DLD übrigens das Internet der Dinge und Wearables. Beides produziert riesige Datenmengen als Futter für Big Data. Aus 138 Milliarden aufgelaufenen Datensätzen des Jawbone konnte die Firma nach Darstellung ihres Chefs Hosain Rahman ermitteln, das Männer 20 Minuten weniger als Frauen schlafen. Die Auflösungsmöglichkeiten der Daten geht dabei so weit, dass dank Jawbone (jedenfalls für die USA) ermittelt werden konnte, dass die Fernsehserie "Familiy Memory" beste Einschlafergebnisse erzielt. Intelligente Körpertracker in Verbindung mit neuen Apps wie RunPee führten Buch über den Blaseninhalt und ermitteln, wann man im Kino gefahrlos das WC aufsuchen kann, ohne allzuviel zu verpassen, freute sich James Whittaker von Microsoft.

Zum Internet der Dinge gehört das Auto, das Sponsor Audi zufolge in Zukunft mit einem eingebauten Server und Firewall-Konfiguration durch den Autohändler ausgeliefert wird. So für die digitale Zukunft gerüstet fährt das Auto von alleine ins Parkhaus und kommt anschließend zu seinem Halter, wenn der es per Smartphone anfordert. Da nach dem Parken keine Türen mehr geöffnet werden, können Autos dichter gestellt werden, was mehr Parkfläche ermögliche. Pech für Kutscher aus der analogen Welt, sollte ihr Gefährt auf diese Weise zugeparkt sein. (vbr)