Kopierschutz: Deutschrock bringt CD-Brenner zur Weißglut
Kaum hat die Musikbranche mehr CDs mit Kopierschutz angekündigt, da macht Sony Music Ernst.
Kaum hat die Musikbranche mehr CDs mit Kopierschutz angekündigt, da macht Sony Music Ernst: "Zeichen", die erste Scheibe der teutonischen Stampfrocker Weißglut, wird mit einem im österreichen Sony-Presswerk entwickelten Kopierschutz ausgeliefert, ebenso der Sampler Techno Club 9.
Das Cover verrät dem Käufer nichts über die Nutzungseinschränkungen; erst ein im Innern liegender Zettel nennt eine Hotline-Nummer, die man anrufen soll, wenn der Kopierschutz Probleme bereitet. Ob sich der Computerfreund von den martialisch dreinblickenden Weißglut-Recken auf seinem Rechner angrölen lassen kann, ist Glückssache. Joel Berger von Sony Music gab zu, das Ziel verfehlt zu haben, die CD auf Computern abspielbar, aber nicht kopierbar zu machen. Im eigenen Hause würde die Scheibe auf etwa 80% der Computer weder abspielbar noch kopierbar sein, auf den anderen könne man sie sich aber sowohl anhören als auch kopieren.
In der c't-Redaktion steckten wir die Weißglut-Scheibe in fünf CD-ROM-Laufwerke; in dreien davon lief sie. Eine Kopie ließ sich anstandslos erstellen; lediglich der Titel "Meine Liebe ist rot" war auf zwanzig Sekunden verkürzt. Ein Power Mac G4 wollte die Audio-CD – weil nicht lesbar – formatieren und warf sie nach Aufforderung wieder aus. Nach Auskunft der Sony-Hotline soll sich Weißglut auf reinen Audio-CD-Kopierern, die unabhängig vom Computer arbeiten, ohne Einschränkungen duplizieren lassen. Auf alten CD-Playern kann es jedoch Probleme geben; drei Anrufer hätten bereits gemeldet, dass die Scheibe nicht auf ihrer Stereoanlage liefe.
Deutlich wirksamer war der Kopierschutz, den Bertelsmann im letzten Jahr versuchsweise bei zwei CDs eingesetzt hatte. Als Folge konnten die CDs jedoch überhaupt nicht mehr auf Computern abgespielt werden. (ts)