Verfahren wegen Rekrutierungs-Kartell von Apple, Google und Co. kann beginnen

Von 2005 bis circa 2009 schlossen die CEOs groĂźer IT-Unternehmen wie Apple, Google oder Adobe ein "Gentleman's Agreement", sich gegenseitig keine Mitarbeiter abzujagen. Ein Versuch, das deswegen laufende Sammelklageverfahren zu kippen, ist gescheitert.

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Auf Apple, Google und eine Handvoll weiterer Silicon-Valley-Unternehmen kommen möglicherweise empfindliche Schadensersatzforderungen zu: Das Sammelklageverfahren wegen illegaler Absprachen zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter kann jetzt in die Verhandlungsphase eintreten. Ein US-Berufungsgericht hat vor kurzem einen Antrag von Adobe zurückgewiesen, Widerspruch gegen die Zulassung als Sammelklage einlegen zu können. Während für Apple, Google, Adobe und Intel der erste Verhandlungstag auf den 27. Mai festgelegt wurde, wollen sich Pixar, Lucasfilm und Intuit mit den Klägern vergleichen.

In dem Verfahren (11-CV-02509, US District Court Northern California) geht es um Absprachen zwischen den Unternehmen, sich gegenseitig keine Mitarbeiter abzuwerben. Dabei haben sich offenbar die Vorstandschefs persönlich um diesen Pakt gekümmert, der nach Ansicht der US-Kartellaufsicht gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen hat. Das US-Justizministerium hatte seine Ermittlungen in dieser Sache Ende 2010 eingestellt und sich mit den Unternehmen auf einen Vergleich geeinigt. Betroffene Mitarbeiter, die sich durch die Absprachen ihrer Karrierechancen beraubt sahen, haben im Mai 2011 eine Klage eingereicht, die im Oktober vergangenen Jahres als Sammelklage zugelassen wurde.

Die CEOs haben mit ihren Absprachen verhindert, dass die Gehälter von begehrten Fachkräften über das von den Unternehmen kontrollierte Maß hinauswuchsen. Die Prozessunterlagen zu dem Verfahren werden auf Antrag der Unternehmen teilweise nicht veröffentlicht. Einige in der vergangenen Woche von Pando Daily veröffentlichte Auszüge erlauben jedoch einen Blick in die Absprachen zwischen Steve Jobs und dem damaligen Google-Chef Eric Schmidt sowie Kollegen von Adobe oder Intel. Dabei wird auch die dunkle Seite dieser IT-Lichtgestalten deutlich.

Der inzwischen verstorbene Apple-Chef Jobs soll dem damaligen Palm-Chef (und Ex-Apple-Kollegen) Jon Rubinstein mit Patentklagen gedroht haben, sollte Palm wertvolle Mitarbeiter von Apple abwerben. Gegenüber Adobe-Chef Bruce Chizen, der das Rekrutierungsverbot auf hochrangige Manager beschränken wollte, soll Jobs gedroht haben, seine Personalabteilung dann auf alle Adobe-Mitarbeiter unterhalb dieses Levels loszulassen. Google-CEO Schmidt wird mit der Äußerung zitiert, die Absprachen doch lieber "mündlich" zu treffen, damit Google wegen belastender Papiere "später nicht verklagt werden kann".

Die Gehälter im Silicon Valley sind allerdings doch gestiegen. Die IT-Riesen hatten es versäumt, ein paar aufstrebende Start-ups in ihre exklusive Herrenrunde aufzunehmen. Eines davon: Facebook. (vbr)