Polymer verklebt problematische Wunden
Materialwissenschaftler haben ein Material entwickelt, das Klammern und Nähte bei Operationen ersetzen kann.
Forscher am Bostoner Brigham and Women's Hospital haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich nach Operationen an sensiblen Bereichen wie etwa dem Herzen Wunden verkleben lassen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Bisher wird bei diesen Eingriffen genäht oder geklammert. Doch diese Methoden können das Gewebe verletzen, und das Nähen dauert lange.
Abhilfe schafft der neuartige Gewebekleber, der von dem Biomaterialien-Spezialisten Jeffrey Karp entwickelt wurde. Er wird durch Bestrahlung mit UV-Licht fest und soll stabil genug sein, um den Belastungen in einem schlagenden Herz standzuhalten. Das neue Material entwickelte Karp auf Anfrage von Pedro del Nido vom Boston Children's Hospital.
Der Pflasterkleber besteht aus dem Polymer PGSA. Es wird in dickflüssiger Form aufgetragen. Unter UV-Licht härtet es in wenigen Sekunden zu einer gummiartigen Schicht aus. Für den Einsatz in Kinderherzen modifizierte Karp das Polymer so, dass es auch in wässriger Umgebung gut fest wird. Das PGSU, so seine chemische Bezeichnung, dringt dafür leicht in das Gewebe ein und verbindet sich beim Aushärten mit dem Kollagen und anderen Proteinen im Gewebe – wie ein molekulares Klettband.
Tierversuche mit dem neuen Kleber verliefen vielversprechend. Del Nidos Team reparierte mit dem Kleber Herzdefekte bei Mäusen und Schweinen. Karp hat mit französischen Partnern in Paris das Start-up Gecko Biomedical mitgegründet, um den Gewebekleber in Europa auf den Markt zu bringen. Derzeit arbeitet es an der Herstellung im Industriemaßstab und plant weitere Tierversuche sowie klinische Studien am Menschen. Das Unternehmen hofft, die CE-Kennzeichnung für Medizinprodukte bis Anfang 2016 zu erhalten. Nach Ansicht von Eric Beckman von der University of Pittsburgh löst Karps Polymer das Problem bisheriger UV-aktivierter Kleber, die sich oft mit Flüssigkeit vollsaugen und dann nicht gut haften.
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(bsc)