Verbotene Erkenntnis
Darf man versuchen, irgendwo einzubrechen, um zu testen, ob ein Schloss wirklich funktioniert?
Darf man versuchen, irgendwo einzubrechen, um zu testen, ob ein Schloss wirklich funktioniert?
Komische Frage? Aber gar nicht so weit weg, wie Sie vielleicht denken.
Neulich am Kopierer zum Beispiel. Ich stand an unserem neuen Multifunktionsgerät - kein Scherz, das Ding verschickt Scans mit dem knuffigen Mail-Absender „mufu“ - und kopierte einen Artikel, als mein Blick auf die Umrandung der Glasabdeckung fiel. Normalerweise blende ich die einfach aus, wie Werbung im Browserfenster. Aber jetzt war ich ich doch neugierig geworden.
„Gesetzliches Kopierverbot“ stand da. Und weiter, dass man beim Anfertigen von Kopien beachten sollte, dass es nach den jeweils gültigen, lokalen Gesetzen verboten sein könnte, Geldscheine oder Reisepässe zu kopieren.
Nun geht ja die Sage, dass es mit modernen Geräten gar nicht gehen soll, solche verbotenen Kopien anzufertigen. „Woll’n doch mal sehen, ob das wirklich stimmt“, dachte ich, und griff nach meinem Portemonnaie - um die Hand gleich wieder sinken zu lassen. Schließlich ist die Kopiermaschine voll vernetzt. Was ist, wenn sie meinen heimtückischen Versuch gleich an die Behörden weitermeldet? Bloß blöde Paranoia? Na ja, man weiß ja nie. Den erstens hatte ich mich vor nicht allzu langer Zeit ja schon mal verdächtig gemacht, indem ich einen mechanisches Zeitschalter-Relais im Internet bestellt hatte. Und zweitens hat die Electronic Frontier Foundation bereits 2010 nachgewiesen, dass viele Drucker normalerweise unsichtbare Punktmuster mit ausdrucken, die eine Zuordnung des ausgedruckten Dokuments zum jeweiligen Drucker erlauben.
Also lieber doch nicht? Schließlich ist schon der Versuch von Geldfälschung strafbar. Aber hier geht’s ja um Recherche - nicht um ein kriminelles Projekt. Ich legte also einen Geldschein auf die Platte und drückte auf Farbkopie. Das Ergebnis, das langsam aus dem Ausgabeschacht kroch war tiefschwarz. Gegenprobe im Schwarz-Weiß-Modus: Die Kopie gelingt ohne Probleme.
Offenbar steckt da wirklich eine Routine drin, die prüft, ob die Vorlage ein Geldschein ist. Laut Wikipedia ist das ein regelmäßiges Punktmuster, die sogenannte Eurion-Konstellation. Warum zum Teufel, dachte ich, sollte jemand auf photokopierte Geldscheine reinfallen? Das Papier stimmt doch gar nicht. Das fühlt man doch sofort.
Nun, offenbar ist die Realität noch wilder als meine Phantasie. Jedenfalls berichtete die Daily Mail Anfang 2013 von einem Mann, der angeblich über eine Million Dollar mit Hilfe handelsüblicher Drucker hergestellt hat. Das hat wohl unter anderem deswegen geklappt, weil er Wechselautomaten mit den Blüten gefüttert hat. Mit einer Maschine, Maschinen betrügen - die Welt ist schlecht und der Fortschritt ist offenbar nicht aufzuhalten.
Das kleine Experiment wirf aber ein ganz andere, sehr viel spannendere Frage auf: Darf man etwas an sich verbotenes machen, um zu testen, ob technische MaĂźnahmen dagegen wirklich funktionieren? Die Frage ist keineswegs nur esoterisch: So genannte Hacker-Tools, mit denen man zum Beispiel Computernetzwerke auf Schwachstellen abklopfen kann, sind in Deutschland illegal. Also bleiben manche HintertĂĽren unentdeckt. Wem nĂĽtzt das wohl? (wst)