Gesunde DNA direkt unter die Netzhaut
Mittels Gentherapie sollen sich erbliche Augenkrankheiten behandeln lassen, die oft zur Erblindung fĂĽhren.
Eine Wissenschaftlergruppe an der University of Oxford arbeitet an einer neuen Behandlungsform für degenerative Augenkrankheiten. Dabei erfolgt eine Gentherapie direkt unter der Netzhaut, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Der Augenarzt Robert MacLaren will damit Menschen helfen, denen derzeit keine Behandlungsmöglichkeiten bleiben.
Der Eingriff wurde bereits bei Menschen erprobt, deren Sehkraft noch teilweise erhalten war – allerdings nur in einem eingeschränkten Blickfeld. Würde man die Gentherapie zu einem früheren Zeitpunkt beginnen, wäre es vermutlich möglich, mehr Sinneszellen in der Netzhaut zu retten, hoffen MacLaren und sein Team. "Wir müssen die Therapie vorantreiben, um sie anwenden zu können, bevor es zu einem Verlust des Augenlichts kommt." Denn: Sobald die Netzhautschäden zu groß geworden sind, gibt es keinen Weg zurück mehr. MacLaren zufolge könnte sein Ansatz etwa bei Retinitis pigmentosa und altersbedingten Erkrankungen wie der Makuladegeneration hilfreich sein.
Bei der aktuellen Studie ging es um Patienten mit der seltenen erblichen Choroideremia-Erkrankung, die pro 50.000 Personen rund einmal auftritt. Weil das auslösende Gen auf dem X-Chromosom sitzt, sind vor allem Männer betroffen. Beginnend mit der Kindheit verschlechtert sich die Sehkraft zunehmend, das Blickfeld wird immer weiter eingeschränkt. Es kommt zu einer Art Tunnelblick, der später zu einer fast vollständigen Erblindung führt.
Noch gibt es offene Fragen. Hendrik Scholl von der John Hopkins University und Jose Sahel vom Institut de la Vision in Paris schreiben in ihrem Kommentar zu MacLarens Untersuchung, dass die Operationen erst vor sechs Monaten erfolgten. Deshalb sei noch nicht abzusehen, ob die Therapie wirklich den Verlust weiteren Retinagewebes stoppen könne
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(bsc)