Medienmacher setzen auf Kooperationen und Wachstum

Auf dem zweiten Hamburger Mediendialog haben sich Vertreter der deutschen und internationalen Medienwelt über die Perspektiven ihrer Branche ausgetauscht.

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Von
  • Almut Kipp
  • dpa

Mit Kreativität und Experimentierlust, mit Kooperationen und eigenen starken Marken zum Wachstum: Diese Bausteine hielten heute Spitzenvertreter der deutschen und internationalen Medienwelt für ausschlaggebend im Kampf um Leser, Zuschauer und Internetnutzer. Beim 2. Hamburger Mediendialog im Rathaus sprach Bürgermeister Ole von Beust (CDU) auch eine der in der deutschen Branche derzeit strittigsten Fragen an: Was dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet anbieten? Auch kündigte er an, für Hamburg wieder einen Medienbeauftragten als Mittler zwischen Politik und Medienfirmen zu ernennen.

Der Vorstandsvorsitzende des Medienkonzerns Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, mahnte Verlagsmanager, Produzenten und Dienstleister, den Wachstumspfad wieder zu beschreiten. "Wir müssen uns die Lust am Wachstum stärker zu eigen machen." Wichtig sei der Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Digitalisierung biete dafür ungeahnte Chancen. Wachstum könne mit starken Marken und deren Ausbau, Investitionen in Zukunftsmärkte wie Russland, Indien oder China sowie der Bindung der besten Talente an die Unternehmen gelingen.

Einen weiteren Ansatz für mehr Wachstum brachte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Holtzbrinck-Verlagsgruppe (Stuttgart), Stefan von Holtzbrinck, zur Sprache: "selbst experimentieren". Der Vorteil seien geringere Investitionen, höhere Glaubwürdigkeit und die Nähe zu den Kreativen.

In der Diskussion um den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens versicherte der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor, dass die ARD kein Konkurrent im Internet sei. Sie rangiere auf Platz 19 in der Internetnutzung, wolle aber eine "faire Chance im Netz". Dazu bot er erneut Partnerschaften mit seriösen Anbietern wie Verlagshäusern an. Gemeinsam sei man im Wettbewerb gegen global agierende Konzerne erfolgreicher.

Bürgermeister von Beust sagte, die Sendeanstalten sollten ihre Angebote ins Netz stellen und dort vertiefen können. Allerdings dürfe die Textbegleitung nicht zur Verfremdung des öffentlich-rechtlichen Auftrags führen. Eine TV-Kochsendung könne im Internet nicht um eine Vielzahl von Kochrezepten erweitert werden, ein Tourismusfilm nicht mit konkreten Reiseangeboten. "Wir werden bei Grenzfällen genau hinsehen." Die Länder haben durch Medienstaatsverträge die Oberhoheit über die Sendeanstalten.

Beust mahnte einen fairen Interessenausgleich zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten elektronischen Medien an. Es könne nicht sein, dass die Privaten im Internet nicht mehr mithalten könnten. Am 12. Juni wollen die Ministerpräsidenten der Länder erneut über den Rundfunkänderungsstaatsvertrag und damit über die Aufteilung im Netz beraten. (Almut Kipp, dpa) / (anw)