Impfstoff mit direkter Wirkung
US-Forscher wollen das Immunsystem des Körpers besser trainieren, damit die Abwehr deutlich schneller gegen Krankheiten vorgehen kann.
Forscher am Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla haben so genannte programmierte Chemikalien entwickelt, die sich an Antikörper anbinden können und ihnen "zeigen", wie sie einen bestimmten Teil eines Erregers erkennen können, der sich besonders gut angreifen lässt. Im Versuch zeigte sich, dass eine solche Behandlung eine therapeutische Immunantwort hervorrufen kann, die das Wachstum zweier Tumorarten bei Mäusen hemmt, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Das Immunsystem des Körpers wird gerne als Armee beschrieben – und Impfstoffe als Training, das diese perfekt auf angreifende Erreger vorbereitet. Inaktive Formen von Viren oder Bakterien helfen den Antikörpern, die echten Eindringlinge abzuwehren. Allerdings bringen Impfstoffe ihnen nur bei, Erreger zu identifizieren. Spezifische Anweisungen, wie diese abgewehrt werden können, enthalten sie aber zumeist nicht, weshalb es Wochen dauern kann, bis eine echte Immunisierung eintritt.
Die Idee der programmierten Chemikalien könnte eine Anzahl von Problemen lösen, die viele heutige Impfstoffe plagen – und zwar sowohl im klinischen Bereich als auch im Labor. Heute gibt es nur zwei von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassene Krebsimpfungen: Eine greift Hepatitis B im Zusammenhang mit Leberkrebs an, eine attackiert humane Papillomviren (HPV), die zu Gebärmutterhalstumoren führen können. Bei beiden Impfungen müssen Patienten sich mehrfach immunisieren lassen, um mit der Zeit eine wirksame Abwehr aufzubauen. Die Methode der Scripps-Forscher soll jedoch eine nahezu direkte Immunantwort hervorrufen. Neben verschiedenen Tumorarten gilt auch das AIDS-Virus HIV als mögliches Angriffsziel.
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(bsc)