Biodiesel: Synthetische Biologie enttäuscht Investoren
Das Mikrobensprit-Start-up LS9 wird fĂĽr bis zu 61,5 Millionen Dollar verkauft. Die Geldgeber machen ein deutliches Minus.
Schlechte Nachrichten im einst boomenden Markt für biologische Kraftstoffe aus nachhaltiger Quelle: LS9, ein Start-up, das aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen kostengünstigen Sprit produzieren wollte, wird verkauft. Die Firma soll für 40 Millionen US-Dollar an den klassischen Biodiesel-Hersteller Renewable Energy Group (REG) gehen. Weitere 21,5 Millionen werden fällig, sobald die Technik profitabel ist, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Für die LS9-Investoren bedeutet die Transaktion in jedem Fall ein Verlustgeschäft: Seit 2005 steckten sie satte 81 Millionen Dollar in die Firma, die zu den Pionieren der sogenannte synthetischen Biologie gehört. Bereits vor zwei Jahren hatte LS9 mit dem Verkauf seines Mikroben-Biodiesels an Raffinerien beginnen wollen. Doch daraus wurde nichts. Die im US-Bundesstaat Iowa ansässige REG plant nun lediglich, mit dem LS9-Verfahren Spezialchemikalien in kleineren Mengen herzustellen. Von einer Biosprit-Produktion ist vorläufig keine Rede mehr.
LS9 ist eine von mehreren Firmen, die mit Hilfe der synthetischen Biologie eines der größten Probleme von Biokraftstoffen lösen wollten: den Flächenverbrauch durch den Anbau von "Energiepflanzen", von denen hinterher nur kleine Teilen – die Früchte – in Sprit umgewandelt werden und die dem Anbau von Nahrungspflanzen Platz wegnehmen. Mit gentechnisch veränderten Mikroben könnten im Prinzip auch die in Stengeln und Blättern enthaltenen Zuckerverbindungen umgewandelt werden.
Mehr noch, je nach Stoffwechselweg in den Einzellern könnten diese eine ganze Reihe unterschiedlicher Kraftstoffe produzieren, die von erdölbasierten Originalstoffen chemisch nicht zu unterscheiden wären. Damit könnte die technische Infrastruktur für die Kraftstoffversorgung unverändert weiter betrieben werden. Das Problem: Bislang gelang es noch keiner Firma, den Prozess für die Massenproduktion kostengünstig genug umzusetzen.
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(bsc)