Ausprobiert: Looky-Looky will iPhone-Schnüffler überführen

Eine bis zu 3,59 Euro teure App soll unerwünschte Zugriffe auf das iOS-Gerät nachverfolgbar machen, wenn dessen Besitzer gerade nicht da ist. Das klappt durchaus – mit Einschränkungen.

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(Anti-)Spionagewerkzeuge für iOS sind, sollten sie im App Store stehen, oftmals purer Hype – Funktionen wie beispielsweise das Mitspeichern von Tastatureingaben durch eine im Hintergrund laufende App oder andere komplexe Überwachungsmaßnahmen werden von Apple in regulären iOS-Apps untersagt. Aus diesem Grund setzen solche Schnüffelprogramme normalerweise auf einen Jailbreak, der das gesamte Gerät offenlegt.

Die Anwendung Looky-Looky des Münchner Herstellers enforce WOW soll angeblich die "ultimative Antispionage-App zum Schutz Deiner Privatsphäre" sein und kam auch schon in Boulevardmedien vor. Ein Kurztest soll zeigen, was von dem Programm zu halten ist.

Looky-Looky: Wachhund für iOS? (6 Bilder)

Vier verschiedene Überwachungsmodi

Looky-Looky bietet unterschiedliche Monitoring-Funktionen von versteckt bis offensichtlich. "Confront" konfrontiert iPhone-Schnüffler mit einem Video. (Bild: Mac & i)

Looky-Looky wird in zwei Versionen angeboten: als Lite-Version für 89 Cent, die man per In-App-Einkauf um Funktionen ergänzen kann sowie als komplett freigeschaltete Premium-Version, für die dann 3,59 Euro zu zahlen sind.

Die App dient nicht dazu, Nutzungsvorgänge auf dem iPhone dauerhaft zu überwachen. Stattdessen geht es darum, nachvollziehen zu können, ob eine unerwünschte Person während der eigenen Abwesenheit zum Telefon gegriffen hat. Ein mögliches Anwendungsszenario wäre etwa im Büro, wenn man sein iPhone ungesperrt herumliegen lässt (was man eigentlich sowieso niemals tun sollte – siehe Fazit).

Looky-Looky kommt mit vier verschiedenen Anwendungsmodi. Alle arbeiten nach dem gleichen Grundprinzip: Sie werden in der App aktiviert und anschließend wird das iPhone über den Sleep/Wake-Knopf schlafen gelegt. Wird das Gerät dann später entsperrt, ist Looky-Looky die erste Anwendung, die aktiv ist.

Der vermutlich raffinierteste der vier Überwachungsmodi ist der "Camouflage"-Modus. Hierbei wird eine Aufnahme des iPhone-Schnüfflers mit der Frontkamera des iPhone gemacht und die App beendet. Der Angreifer landet also fast verzögerungsfrei auf dem Homescreen. Wird vorher der Lautsprecher deaktiviert, bekommt der Eindringling von dem Foto vermutlich nichts mit – es lässt sich aber doch nachweisen, dass sich jemand an dem Handy zu schaffen gemacht hat, sollte das Bild vom Angreifer in der Fotobibliothek nicht entdeckt und gelöscht werden.

Überwachungsmodus zwei nennt sich "Deter". Hierbei handelt es sich um einen Kombination aus Kameraaufnahme und Alarm. Wird die Funktion aktiviert und das iPhone aus dem Schlafmodus genommen, heult das Gerät los, blinkt wild und fertigt wiederum Schnappschüsse an.

Ähnlich wie "Deter" funktioniert auch Modus drei "Confront" – wenn auch etwas "persönlicher". Die App macht hier wie üblich sofort ein Foto und zeigt dann ein Video – standardmäßig ist eine freundliche Dame zu sehen, die mit verzerrter Stimme "Don't touch my phone" sagt. Es ist aber auch möglich, ein eigenes Video zu erstellen und abspielen zu lassen.

Modus Nummer vier heißt "Confuse" und soll den Nutzer verwirren. Hierbei wird ein Bild auf dem Display gezeigt, dass wie der reguläre iOS-7-Homescreen aussieht. Anfangen kann man der Schnüffler damit aber nichts, den der Bildschirm scheint nicht zu reagieren. Der Gerätebesitzer kann sich aber später per Video ansehen, welche Icons der Angreifer zu drücken versucht hat. Auch ein Foto wird hier wieder mit der Frontkamera geschossen.

Looky-Looky ist kein Wundermittel, denn die von Apple vorgegebenen Beschränkungen kann die App nicht aushebeln. So lässt sich jeder Alarmmodus mit einem Druck auf den Homeknopf deaktivieren. Um dies zu umgehen, muss das iPhone in den geführten Zugriffsmodus ("Guided Access") versetzt werden, was auf Dauer etwas unpraktisch ist.

Wer Looky-Looky schon kennt, könnte die Blockademodi zudem mit der Standardgeste der App – einem längeren Druck mit zwei Fingern auf den Bildschirm – beenden. Daran hat der Hersteller allerdings gedacht: Gegen Aufpreis (oder in der Premium-Version) kann man zwei weitere Unlock-Kommandos aktivieren. Aber auch die könnten sich im Freundeskreis ja potenziell schnell verbreiten.

Hinzu kommt: Wer sein iPhone wirklich sichern will, sollte das Gerät ständig mit einem möglichst langen Sicherheitscode und, falls gewünscht, auf dem iPhone 5s zusätzlich mittels Touch-ID sperren. Damit die Looky-Looky-Falle zuschnappen kann, muss die Sperre aber deaktiviert sein. Ein interessantes Gimmick ist die Münchner App aber zweifelsohne. (bsc)