Nach der Medikamenteneinnahme "bitte einmal blasen"
US-Forscher nutzen Atemmessgeräte, um die Einnahme zu testender Wirkstoffe in klinischen Studien nachzuweisen - und bei Kranken, die Probleme damit haben, sich an ihren Therapieplan zu halten.
Wer das HI-Virus in sich trägt, muss streng darauf achten, seine Medikamente einzunehmen. Vergisst man eine Dosis, kann das dazu führen, dass der tödliche Erreger resistenter wird. Ärzte suchen schon seit Längerem nach Techniken, wie sie die Wirkstoffeinnahme bei ihren Patienten für eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten besser kontrollieren können – besonders bei denjenigen, die Schwierigkeiten haben, sich an ihren Therapieplan zu halten. Jede der derzeit vorhandenen Methoden hat Nachteile: Patienten, die selbst Angaben machen, sind beispielsweise nicht immer ehrlich; das Abzählen der Pillen in einem Fläschchen zeigt wiederum nur, wie viele Medikamente entnommen wurden, nicht aber, ob sie auch geschluckt worden sind.
Forscher an der University of Florida und beim US-Start-up Xhale nutzen nun einen neuen Ansatz: Sie verwenden Atemmessgeräte, um zu bestätigen, dass ein Patient seine Medikamente eingenommen hat, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Methode ist einfach: Nachdem der Nutzer seine Pillen geschluckt hat, bläst er in eine strohhalmgroße Röhre, die in einem Analysegerät steckt. Dieses erkennt einen im Medikament enthaltenen Bestandteil. Statt dabei die Präsenz komplexer und womöglich ständig variierender Wirkstoffe zu ermitteln, wird ein Alkohol Namens 2-Butanol erschnüffelt. Dieser von den US-Gesundheitsbehörden seit Langem genehmigte Stoff wird den Medikamenten zuvor beigemischt. Die Idee: Sollte das System wie gewünscht funktionieren, könnte man eine große Anzahl bestehender Medikamente so verändern, dass sie zusätzlich den Erkennungswirkstoff enthalten.
Das Xhale-Analysegerät wurde ursprünglich für das Militär entwickelt, um die Umgebungsluft nach chemischen Kampfstoffen zu untersuchen, erläutert Richard Melker, Professor an der University of Florida und Technologiechef bei Xhale. Sein Team ergänzte das Gerät um die Fähigkeit der Einzelanalyse und ergänzte die Funktion zur 2-Butanol-Erkennung. Der Bildschirm des Gerätes zeigt genaue Anweisungen für den Nutzer, welchen Knopf er drücken muss und wann er zu seine Probe abzugeben hat. Aufgezeichnet wird dann die Präsenz (oder das Fehlen) des Alkohols und die Zeit der Untersuchung. Diese Informationen lassen sich dann über eine USB-Schnittstelle herunterladen und zum Arzt mitbringen.
Derzeit wendet sich Xhale vor allem an Pharmafirmen, denen schon seit Längerem eine zweifelsfreie Methode fehlt, sicherzustellen, dass Teilnehmer klinischer Studien auch tatsächlich die zu testenden Wirkstoffe einnehmen. Könnte man die Einhaltung der Einnahme nachvollziehen, ließen sich solche Untersuchungen wesentlich genauer gestalten, glaubt Melker. Schließlich könnten die Teilnehmer, die für den Versuch Geld erhielten, problemlos eine Dosis ausfallen lassen. "Wir glauben, dass eine erhöhte Datenqualität die Kosten der Experimente reduzieren und genehmigte Medikamente sicherer machen würde", sagt er.
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(bsc)