Die Entwicklung eines Siri-Killers
Der Online-Dienst Yahoo will in Zusammenarbeit mit der Carnegie Mellon University einen Software-Assistenten entwickeln, der auch Kontexte und Nutzerwünsche verstehen kann - und so das iPhone-Programm Siri übertreffen soll.
- Tom Simonite
Der Online-Dienst Yahoo will in Zusammenarbeit mit der Carnegie Mellon University einen Software-Assistenten entwickeln, der auch Kontexte und Nutzerwünsche verstehen kann - und so das iPhone-Programm Siri übertreffen soll.
Ständig ist die Rede von Google, Facebook, Apple oder Amazon. Aber wer redet von Yahoo? Nicht ganz so viele. Das soll sich ändern: In einer Kooperation mit der Carnegie Mellon University (CMU) will der Online-Konzern einen Software-Assistenten entwickeln, der noch mehr kann als Apples Produkt Siri. Mit zehn Millionen Dollar finanziert Yahoo hierfür das Projekt InMind der Forschungsgruppe für Maschinenlernen an der CMU.
Die Gruppe bekommt exklusiven Zugang zu verschieden Online-Diensten von Yahoo wie Nachrichten oder E-Mail, um auf diesen intelligente Anwendungen aufzusetzen. Getestet werden die dann von CMU-Studenten und -Mitarbeitern – immerhin eine Testergruppe von mehreren tausend Personen.
„InMind wird die nächste Generation von persönlichen Assistenten sein, die uns auf unseren Geräten durch unser Leben führen“, verkündete Subra Suresh, Präsident der CMU, kürzlich bei der Präsentation der Forschungszusammenarbeit.
Mit der ist Yahoo auf ein klareres Ergebnis aus als andere Online-Firmen, die universitäre Forschung fördern. InMind soll Betaversionen von Produkten hervorbringen, wie sie sonst eigentlich in den Entwicklungsabteilungen von Unternehmen entstehen. Das passt zur Strategie von Yahoo-CEO Marissa Mayer, die nicht nur das Geschäft, sondern auch die Marke Yahoo beleben will. Zwar nutzen monatlich rund eine Milliarde Menschen Dienste des Konzerns, doch gelten die nicht gerade als der letzte Schrei im App-Zeitalter.
Ron Brachman, Leiter der Yahoo Labs, verspricht sich einen Software-Assisten, der mehr kann als Siri – nämlich nicht nur Antworten geben, sondern in Abhängigkeit von einer Situation auch zurückfragen oder Vorschläge machen. „Das fehlt bislang bei Siri“, sagt Brachman, auch wenn das Apple-Produkt schon beeindruckend sei. Nur fehle eben bislang eine Kontextintelligenz.
Brachman hat das Projekt InMind gemeinsam mit Tom Mitchell, dem Leiter der Maschinenlernen-Gruppe der CMU, konzipiert. Beide haben früher in dem vom Pentagon finanzierten Projekt CALO mitgearbeitet, aus dem die grundlegende Technologie für Siri hervorging. Sie wurde später von der 2007 gegründeten Firma Siri Inc. weiterentwickelt, die Apple im November 2010 übernahm.
Yahoo habe Daten über seine Nutzer, die neue Apps mit einem tiefergehenden Verständnis für die Nutzer und ihren Alltag ermöglichen könnte, sagt Justine Cassell. Die CMU-Professorin für Mensch-Maschine-Interaktion wird das Projekt InMind mit leiten. „Um einen Assistenten wirklich zu personalisieren, muss man auch die Gemütslagen und Überzeugungen einbeziehen“, sagt Cassell.
An der CMU gebe es bereits Forschungsarbeiten, die in entsprechende Apps einfließen könnten. Eine davon sei NELL: ein System, das seit vier Jahren Texte im Netz durchstöbert, um ein Weltwissen aufzubauen. NELL könnte helfen, die Interessen eines Nutzers herauszufinden. Eine wichtige Rolle könnte laut Cassell auch CHORUS spielen. Der Software-Assistent basiert zum Teil auf einer Crowdsourcing-Entwicklung und ist darauf programmiert, mit Menschen Konversation zu pflegen. (nbo)