Forschungsmillionen für Kohlendioxidspeicher im Meer
Deutsche Forscher wollen eine Methode finden, um Methan aus unterseeischen Lagerstätten zu fördern und dort gleichzeitig CO2 einzulagern, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.
Deutsche Forscher wollen eine Methode finden, um Methan aus unterseeischen Lagerstätten zu fördern und dort gleichzeitig CO2 einzulagern. Anfang September ist der offizielle Startschuss für das "SUGAR"-Projekt gefallen, das von zwei Bundesministerien und der Industrie mit insgesamt 13 Millionen Euro gefördert wird, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (seit kurzem am Kiosk oder hier portokostenfrei online zu bestellen).
Methanhydrat besteht aus Wassereis, in dessen Kristallgitter sich Methangas-Moleküle verfangen haben. Ein Kubikmeter Gashydrat kann rund 164 Kubikmeter Methan binden. Das Hydrat entsteht, wenn Bakterien am Meeresboden organische Substanzen zerlegen. Die Schätzungen zu den weltweit verfügbaren Mengen an marinen Gashydraten reichen von 3,1 bis 7600 Billiarden Kubikmeter. Wie viel sich davon wirtschaftlich abbauen lässt, ist allerdings noch unklar. Denn das Methanhydrat ist zum Teil feinkörnig im Sand verteilt, zum Teil liegt es am Meeresboden, und ein Teil hat sich ähnlich wie ein Kohleflöz unter undurchlässigen Sedimentschichten angereichert. Nur in solchen Vorkommen lässt sich das Methan nach Meinung der deutschen Forscher kontrolliert und wirtschaftlich abbauen.
Die deutschen Forscher wollen Kohlendioxid hinunter zum Methanhydrat pumpen, wo es das Methan aus dem Hydrat verdrängen soll. Das funktioniert, weil das CO2-Hydrat energetisch stabiler ist als Methanhydrat. "Es gibt bisher eine Handvoll Laborexperimente, die zeigen, dass das geht", sagt Projektleiter Klaus Wallmann. Allerdings sei dieser Prozess "ziemlich langsam". Die Wissenschaftler suchen deshalb nach Tricks, den Austauschprozess zu beschleunigen: So schlägt das Fraunhofer-Institut UMSICHT aus Oberhausen vor, mit sogenannten Mammut-Pumpen relativ warmes Oberflächenwasser nach unten zu befördern. Das geförderte Gas erzeugt einen Unterdruck, der weiteres Oberflächenwasser ansaugt, "so dass man kaum Energie aufwenden muss". Das Geoforschungszentrum Potsdam schlägt dagegen vor, den Austausch zu beschleunigen, indem man Sauerstoff von der Oberfläche zuführt und ein paar Prozent des Methans direkt bei der Lagerstätte verbrennt. Eine weitere Möglichkeit wären bioabbaubare Polymere von BASF, die den Gefrierpunkt anheben. Welches dieser Verfahren das geeignetste ist, hängt von der jeweiligen Lagerstätte ab. (wst)