Tiefen-TMS setzt Gehirn zurück
Israelische Forscher haben herausgefunden, dass die so genannte transkranielle Magnetstimulation das Denkorgan von Menschen mit schweren Depressionen positiv beeinflussen kann.
Die Behandlung des Gehirns mit Stromstößen gilt bei Menschen mit schweren, sonst nicht heilbaren Depressionen noch immer als einer der wenigen Therapiewege, der funktionieren kann. Während normale Antidepressiva bei dieser Patientengruppe wenig oder gar nicht (mehr) wirken, kann die so genannte Elektrokrampftherapie (ECT) eine Art "Neustart" des Denkorgans auslösen und Menschen aus ihrem depressiven Zustand holen – zumindest für einige Zeit. Die wenig sanfte ECT kann aber auch ernsthafte Nebenwirkungen hervorrufen, beispielsweise Gedächtnisverlust.
Israelische Forscher wollen nun einen weniger problematischen Ansatz nutzen, um das Gehirn solcher Patienten elektrisch zu stimulieren, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Technik, die sich transkranielle Magnetstimulation (TMS) nennt, setzt ein externes Magnetfeld ein, um elektrische Ströme innerhalb des Kopfes zu erzeugen. Bis vor Kurzem ließen sich mit TMS nur weniger tief gelegene Bereiche des Gehirns stimulieren. Das Jerusalemer Unternehmen Brainsway hat nun eine TMS-Methode entwickelt, die weiter vordringen können soll und damit auch Regionen stimuliert, die mit Depressionen und anderen neurologischen Erkrankungen in Verbindung stehen. Sollte die Technik wie geplant funktionieren, könnte sie eine neue Alternative für Patienten mit schweren Depressionen darstellen, bei denen Antidepressiva nicht anschlagen.
Abraham Zangen, einer der beiden Erfinder des von Brainsway produzierten, so genannten Tiefen-TMS, entwickelte eine neue Spulenkonfiguration, mit der es möglich sein soll, Nervenzellen in einer Tiefe von bis zu vier Zentimetern anzuregen – und zwar mit der gleichen Stromstärke wie bei Standard-TMS. Statt nur auf eine Spule zu setzen, die ein einzelnes Magnetfeld generiert, entwickelten Zangen und sein Team einen Helm, der eine Reihe kleinerer Spulen enthält, die jeweils ihr eigenes Magnetfeld erzeugen. Schicken die Forscher nun TMS-Stromstärken durch den Helm, produzieren die Spulen, die in Serie geschaltet sind, mehrere Magnetfelder, die sich ergänzen. So entsteht zusammengenommen ein wesentlich stärkeres Magnetfeld, das tiefer in das Gehirn eindringt, bevor es sich wieder abbaut.
Zangen und sein Team haben den Helm bereits an einer Gruppe von 50 Versuchspersonen mit schweren Depressionen getestet, bei denen Antidepressiva nicht anschlagen. Bei einer klinischen Doppelblindstudie wurde der Hälfte der Patienten das Tiefen-TMS mit Stromstärken verabreicht, die mit Standard-TMS vergleichbar waren – an fünf Tagen die Woche, vier Wochen lang. Die zweite Gruppe erhielt eine ähnliche Behandlung mit geringerer Stromstärke. Jede Sitzung dauerte dabei rund 20 Minuten. Nach dem Experiment gaben 50 Prozent der Patienten, die die intensiveren Stromstärken erhalten hatten, deutliche Verbesserung bei Schlafverhalten, Appetit und allgemeiner Stimmungslage an. "Wir konnten eine verbesserte Stimmung und mehr Optimismus beobachten", sagt Zangen, "einige der Patienten, die zuvor nur zuhause saßen und nichts mehr tun konnten, kehrten an ihre Arbeitsstelle zurück".
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(bsc)