Phantom-Zustimmung

Das Schöne am Online-Kundencenter von T-Mobile: Man kann selbst einstellen, ob und wie man vom Unternehmen kontaktiert werden will. Das Unschöne: Es nutzt nichts.

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Das Schöne am Online-Kundencenter von T-Mobile: Man kann selbst einstellen, ob und wie man vom Unternehmen kontaktiert werden will. Das Unschöne: Es nutzt nichts.

Ich klicke bei solchen Verträgen defaultmäßig immer alles ab: Nein, ich bin nicht einverstanden damit, dass meine Vertragsdaten „zur individuellen Kundenberatung“ verwendet werden. Ich möchte nicht per E-Mail über „neue Angebote und Services der Telekom Deutschland GmbH persönlich informiert und beraten werden“. Per Anruf oder SMS auch nicht. Und ich müsste mich schon schwer verklickt haben, sollte ich in der Vergangenheit jemals solchen Sachen zugestimmt haben.

Trotzdem landeten in den letzten Wochen immer wieder Nachrichten bei mir, die mir debile Klingeltöne zum kostenlosen Download anboten. Einmal rief sogar eine quietschfiedele Callcenterdame an, bedankte sich für meine Treue und fing an, neue Tarifoptionen hervorzusprudeln. Ich rief die Service-Hotline an und erfuhr, dass tatsächlich die Deutsche Telekom höchstselbst dahinter stehe. Warum ich trotz sämtlicher abgeklickter Kästchen behelligt wurde, konnte mir der freundliche Callcenter-Mitarbeiter nicht erklären, nuschelte aber etwas von „Versehen“ und versprach, dass künftig Ruhe herrsche. Seitdem habe ich tatsächlich keine unerwünschte Werbung mehr bekommen.

Ich hoffe nur, dass diese Einstellungen nicht irgendwann bei einem Datenbank-Update wieder überschrieben werden, wie es offenbar meiner Kollegin Veronika passierte. Mehr als ein Jahr nach ihrem letzten Umzug gingen die Telefonrechnungen plötzlich wieder an ihre alte Adresse. Es hat sie einige Nerven sowie zwei Anrufe gekostet, das wieder geradezurücken.

Nun ist unerwünschte Werbung ja kein großes Drama, man ist in dieser Hinsicht mittlerweile ja einigen Kummer gewohnt. Trotzdem frage ich mich: Haben die ihre Datenbestände nicht im Griff? Oder ignorieren sie die Einstellungen einfach und interpretieren ausbleibenden Protest dann als Zustimmung? Der Callcentermann musste jedenfalls nicht lange in den Tiefen des Systems herumstochern, sondern wusste offenbar sofort, was Sache war. Deshalb argwöhne ich, dass Letzteres der Fall ist, auch wenn ich es natürlich nicht nachweisen kann. Vertrauen schafft jedenfalls keine der beiden Möglichkeiten. (grh)