Minen in Offshore-Windparks: "Räumung nicht so effizient wie es möglich wäre"
Sprengkörper aus dem zweiten Weltkrieg behindern den Ausbau der Offshore-Windenergie. Nun wirft ein hochrangiger Behördenvertreter den Räumungsfirmen vor, ihre Aufgabe nicht so effizient zu erledigen wie es möglich wäre.
Claus Böttcher vom Schleswig-Holsteinisches Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume kritisiert, dass Räumungsfirmen sich zu viel Zeit für die Beseitigung von Minen in Nord-und Ostsee lassen. "Den Unternehmen fehlt jeder wirtschaftliche Anreiz, denn am Ende zahlt der Stromkunde das milliardenschwere Vorhaben", so Böttcher in der aktuellen Ausgabe 3/2014 von Technology Review (hier zu bestellen).
Die Kampfmittel behindern den Ausbau der Offshore-Windenergie. Schätzungen zufolge liegen in Nord- und Ostsee 1,6 Millionen Tonnen konventionelle Kampfmittel. Hinzu kommen ebenfalls geschätzte 70.000 Tonnen chemische Kampfstoffe. Um Schäden an den Anlagen, den Stromtrassen und Gefahr für die Arbeit er auszuschließen, müssen sie geräumt werden. Das kostet viel Geld, auch wenn der genaue Preis nicht bekannt ist. Aber allein für die Versorgung der Besatzungsmitglieder fallen rund 500 Euro pro Tag an. Hinzu kommen Löhne, Kosten für die Roboter, die Schiffe und die Entsorgung der Minen.
Doch Windpark-Betreiber und Netzanbieter haben wenig Anreize, die Räumungsarbeiten rasch zu Ende zu bringen. Schließlich hat die Bundesregierung zugesagt, für den finanziellen Schaden aufzukommen, wenn die Offshore-Windparks nicht rechtzeitig ans Netz gehen. Die 30 Anlagen des Riffgat-Windparks beispielsweise waren seit August 2013 betriebsbereit. Doch weil Minen den Anschluss ans Stromnetz verzögerten, speisen sie erst seit Mitte Februar diesen Jahres Elektrizität ins Netz ein. Bis dahin wurden sie mit Notstrom aus Dieselgeneratoren betrieben, damit wichtige Sicherheitsfunktionen wie die Beleuchtung gewährleistet sind. Der Riffgat-Betreiber, das Oldenburger Energie-Unternehmen EWE, fordert daher eine Entschädigung für die Verzögerung. "Die Übernahme des Schadenersatzes durch die Bundesregierung ist eine Vollkaskoversicherung für alle Netzbetreiber und eine Garantie zum Gelddrucken", kritisiert Böttcher vor diesem Hintergrund.
Die Räumungsfirmen verteidigen die Vorsicht. "Bei der Kampfmittelräumung passiert nicht viel. Aber wenn, dann gibt es Tote", sagt der Minenspezialist Mathias Bölt von Boskalis Hirdes. Das Unternehmen hatte die Riffgat-Trasse geräumt.
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(bsc)