Maschinenbau auf dem Desktop
Additive-Fabrication-Systeme könnten in einigen Jahren eine Fertigung beim Endnutzer ermöglichen.
Seit den 80er-Jahren werden mit dem so genannten "Rapid Prototyping" einfache Prototypen für die Industrieproduktion hergestellt. Dabei werden Objekte so aufgebaut, dass ein computergesteuerter Laserstrahl anhand der 3D-Objektdaten Kunstharze oder Stahlpulver Schicht für Schicht erhärtet. Das Objekt wächst gewissermaßen in der Maschine heran. Inzwischen ist die RP-Technik so weit fortgeschritten, dass man bereits Endprodukte damit fertigen kann – die Rede ist inzwischen immer häufiger vom "Rapid Manufacturing". Der Weltmarkt für Maschinen und Dienstleistungen ist mit einem Volumen von 1,1 Millarden Dollar allerdings immer noch bescheiden.
Terry Wohlers, RP-Experte und Herausgeber des jährlichen "Wohlers Report", in dem die Entwicklung der Branche dokumentiert wird, rechnet in den nächsten Jahren mit einem schnell anziehenden Wachstum. Der Sektor sei derzeit mit dem Mainframe-Zeitalter in der Computergeschichte zu vergleichen, sagte er im Interview mit dem Technologiemagazin Technology Review. "Diese Parallele kann man auf jeden Fall ziehen. Mainframe-Rechner waren eine Technologie, die abgeschlossen, proprietär, zentralisiert und schwierig zu nutzen war. Und das nur für Leute, die überhaupt einen Zugang dazu hatten. Fast alle diese Eigenschaften treffen auch auf die großen und teuren Additive-Fabrication-Maschinen von heute zu. In den frühen Siebzigern kamen die ersten Mini-Computer, und der nächste Schritt waren dann die Unix-Workstations von Apollo, Sun und Hewlett-Packard. Später folgten der PC und der Laptop, und heute haben wir Geräte wie das iPhone."
Interessant seien etwa so genannte "Desktop Factory"-Ansätze, bei denen die RF-Maschine quasi auf dem Schreibtisch steht. Auch sei es denkbar, dass sich in Zukunft eine große Szene im Netz bilde, die Baupläne weitergibt. "3D-Objektdaten können immer leichter ausgetauscht werden. Das traditionelle Vorgehen besteht darin, ein Produktdesign zu entwerfen und es dann einem Hersteller zu übergeben, der daraufhin Gussformen oder Ziehsteine baut. Um die Produktionsanlage zu betreiben, sind dann viele, möglicherweise tausende Arbeiter nötig, und der ganze Prozess ist an einem Ort konzentriert." Beim Additive Fabrication habe man nicht nur eine verteilte Fertigung, sondern auch ein verteiltes Design. "Das bedeutet: Produktdesign wird dann aus einer noch nie dagewesenen Vielzahl von Quellen gespeist."
Das ganze Interview mit Wohlers in Technology Review online:
(bsc)