Pharma-Industrie verschmäht deutsche Spitzenforschung
Die Erfahrung, dass in Deutschland entwickelte Spitzentechnologie in anderen Ländern vermarktet wird, wiederholt sich nun im Bereich der Biotechnologie, berichtet Techology Review in seiner aktuellen Ausgabe.
Dass in Deutschland zwar Spitzentechnologie entwickelt, diese Technologie jedoch dann in anderen Ländern erfolgreich vermarktet wird, wird von Fachleuten gerne am Beispiel MP3 illustriert. Jetzt scheint sich die Geschichte im Bereich der Biotechnologie zu wiederholen, berichtet Techology Review in seiner aktuellen Ausgabe 11/08 (seit dem 16. 10. am Kiosk oder portokostenfrei online bestellen): Bereits 1999 hatten der Bayreuther Biologe Roland Kreutzer dem Chemie- und Pharmakonzern Bayer eine neue Technik angeboten, die krankmachende Gene des Menschen auf elegante Weise unschädlich machen sollte – es handelte sich um die so genannte RNA-Interferenz, deren Entdecker 2006 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Erste Belege dafür, dass die Technologie tatsächlich funktioniert, hatte der Forscher schon geliefert. Doch umsonst: Mit den knappen Worten „Wir sehen leider kein Zukunftspotenzial“ lehnte Bayer nach Kreutzers Darstellung jede Investition in seine Idee ab.
Heute, ein knappes Jahrzehnt später, überbieten sich die Branchengrößen schier, wenn es darum geht, auf der Grundlage von Kreutzers Erkenntnissen ins Geschäft zu kommen. So zahlte der Schweizer Pharmakonzern Roche im vergangenen Sommer 331 Millionen Dollar, um sich Kreutzer, sein Labor und eine Lizenz für seine Technologie namens RNA-Interferenz zu sichern; je nach den weiteren Erfolgen kann die Lizenzgebühr weit über eine Milliarde Dollar erreichen. Der US-amerikanische Pharmariese Merck übernahm für 1,1 Milliarden Dollar die RNAi-Firma Sirna, und auch Pfizer, AstraZeneca und GlaxoSmithKline kauften jeweils für hohe dreistellige Millionensummen RNAi-Kompetenz zu.
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(wst)