Theorie der Unmöglichkeiten

Der Stringtheoretiker und Bestseller-Autor Michio Kaku schreibt für Technology Review über die Physik von Zeitreisen und überlichtschnellen Antrieben.

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Der Stringtheoretiker und Bestseller-Autor Michio Kaku schreibt für Technology Review über die Physik von Zeitreisen und überlichtschnellen Antrieben. Als Ergänzung zu diesem Essay legt Technology Review dem Heft eine Hörbuch-CD mit vier aktuellen SF-Erzählungen bei. TR 05/2009 ist ab heute am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen.

"Ist letztendlich alles möglich, wenn die Wissenschaftler nur genügend Fantasie beweisen?" fragt Kaku in seinem Essay. "Um etwas Ordnung in die Beantwortung dieser Frage zu bringen, habe ich 'Unmöglichkeit' in drei Kategorien eingeteilt: Unsichtbarkeit gehört für mich zu den 'Unmöglichkeiten ersten Grades'. Das sind Entwicklungen, die nur scheinbar die bekannten physikalischen Gesetze verletzen, in den kommenden Jahrzehnten oder Jahrhunderten aber dennoch möglich werden könnten. Die in der klassischen Science Fiction gern verwendeten Dinge wie Strahlenwaffen, Lichtschwerter, intelligente Roboter, Raumschiffe und Antimaterie-Antriebe verletzen nicht die Gesetze der Physik und stellen daher hauptsächlich ein Ingenieursproblem dar.

Bei 'Unmöglichkeiten zweiten Grades' dagegen handelt es sich um Techniken, die zwar heute unmöglich sind, allerdings in einigen Jahrtausenden möglich werden könnten. Das berühmteste Beispiel dafür ist die Zeitreise, die schon seit Jahrhunderten die Fantasie von Science-Fiction-Autoren angeregt hat: Der Astrophysiker Stephen Hawking hat zwar versucht zu beweisen, dass Zeitreisen unmöglich sind: Sie verletzten ein grundlegendes Gesetz der Physik, das er die Chronologie-Schutzhypothese nannte und das 'die Geschichte sicher für Historiker machen' würde. Nach einigem Aufwand musste er jedoch schließlich zugeben, dass er seine Hypothese nicht beweisen kann."

Die Kategorie der 'Unmöglichkeiten dritten Grades' schließlich treibt Kaku an die Grenzen der Physik: "Könnten die Gesetze der Physik in einem Paralleluniversum nicht vielleicht ganz andere sein? Oder gelten die Beschränkungen, denen wir hier unterworfen sind, überall im Multiversum der Universen? In der Stringtheorie gibt es viele gültige Lösungen der grundlegenden Gleichungen. Jede dieser Lösungen beschreibt ein Universum, in dem eine ganz andere Art von Physik gilt. Die Stringtheorie selbst ist eine Metatheorie, deren Formulierung unabhängig von der konkreten Physik des gerade betrachteten Universums ist. Es wäre also durchaus denkbar, dass es unterschiedliche Universen mit unterschiedlichen Naturgesetzen gibt."

Die vier vertonten Science-Fiction-Erzählungen, die dem aktuellen Heft beigelegt sind, zeigen, dass Science Fiction noch einiges mehr zu bieten hat, als Erzählungen von Raumschiffen und fernen Planeten: Der australische Schriftsteller Greg Egan etwa stellt die Frage, was passiert, wenn ein Wissenschaftler einen Schwarm von Nano-Robotern darauf programmiert, ihn nach seinem Tod wiederzubeleben? Mit Bruce Sterling lässt Technology Review einen Mitbegründer des so genannten Cyberpunk zu Wort kommen: In seiner Erzählung "Das Monument" schildert Sterling, was passiert, wenn Architektur und das "Internet der Dinge" aufeinanderprallen.

In "Glas" von Daryl Gregory, der unter anderem im Jahresband "The Year's Best Science Fiction" veröffentlichte, geht es um ein neues Medikament, das Menschen, denen im wahrsten Sinne des Wortes das Mitgefühl fehlt, helfen soll. Algis Budrys dagegen gehörte zur alten Riege amerikanischer SF-Autoren. Seine Erzählung "Das ferne Dröhnen der Motoren" ist eine klassische Kurzgeschichte des Genres, die erstmals 1959 im heute legendären "Magazine of Fantasy and Science Fiction" gedruckt wurde. (wst)