Komplexe Diagnosekits für die Dritte Welt

Harvard-Forscher arbeiten an kostengünstigen Mikrofluidik-Detektoren, die statt auf teure Halbleiter auf Papier setzen.

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Forscher an der Harvard University nutzen die natürliche Bewegung von Flüssigkeiten innerhalb von Papier, um komplexe Diagnosesysteme zu bauen. Das Ergebnis könnten präzise Untersuchungskits sein, die einfach und kostengünstig genug wären, um sie massenhaft in Entwicklungsländern einzusetzen und anschließend problemlos zu entsorgen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Das Forschungsgebiet der so genannten Mikrofluidik beschäftigt sich mit der präzisen Manipulation kleiner Flüssigkeitsmengen. Eine der spannendsten möglichen Anwendungen sind so genannte "Lab on a Chip"-Systeme. Das sind Labordetektoren, die auf einen einzelnen Chip passen und mit wesentlich kleineren Proben arbeiten können, als herkömmliche Geräte – und damit genaue Diagnosetechnologie deutlich portabler machen sollen. Bislang verfügbare Chips werden jedoch aus teuren Materialien wie Silizium, Glas oder Kunststoff hergestellt und besitzen kleine Pumpen und Ventile, die komplizierte Herstellungsprozesse beinhalten.

Der Harvard-Forscher George Whitesides und sein Team haben nun ein Mikrofluidik-Gerät entwickelt, das auf ein Papierquadrat passt, das die Größe des Nagels eines kleinen Fingers hat. "Es ist das erste verfügbare Beispiel, das mir aus dem Bereich der Papier-Mikrofluidik bekannt ist", sagt Albert Folch, Bioingenieur an der University of Washington, der in dem Bereich forscht.

Interessant ist auch die Art der praktischen Umsetzung: So können Pfleger und Mediziner vor Ort Urin- und Blutproben nehmen, diese dann mit dem Papierchip in Berührung bringen und das Ergebnis anhand einer Farbskala ablesen. Diese Darstellung lässt sich auch per Mobiltelefon fotografieren und an einen Fachmann weiterleiten, falls dieser nicht vor Ort sein kann. Erkennbar sind etwa Infektions- und Nierenerkrankungen.

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(bsc)